Briten lassen Amazon-Drohnen fliegen

26. Juli 2016, 15:59
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Der US-Onlineriese will Bücher, Nudeln und Co schneller zum Kunden bringen. Die Österreicher bekommen ihre Packerln wohl noch länger vom Postler

San Francisco / Wien – Das schnelle Paket kommt künftig wohl zunehmend durch die Luft. Es ist der Onlineriese Amazon, der die Zustellung von Waren per Drohne kräftig vorantreibt. In Großbritannien darf der US-Konzern den Einsatz nun mit Genehmigung der dortigen Luftverkehrsaufsicht UK Civil Aviation Authority testen.

Das Interesse des Internethändlers liegt auf der Hand: Mit den Mini-Fluggeräten will man die online bestellten Waren so rasch wie möglich zu den Kunden bringen.

Dieses Ziel verfolgen neben Amazon auch andere, wie der US-Supermarktriese Wal-Mart oder Facebook. In Deutschland testete auch die Deutsche Post die Paketzustellung durch die Luft.

Geschwindigkeit oberstes Gebot

Amazon schätzt Schnelligkeit offensichtlich besonders hoch und dringt deswegen immer weiter in das angestammte Geschäft der Paketdienstleister vor. So wurde im vergangenen Jahr bei München ein erstes Paketzentrum eröffnet. Heuer ging in der deutschen Hauptstadt Berlin ein besonders schnelles Lieferservice an den Start. In Österreich gibt es die Blitzlieferung binnen einer Stunde noch nicht.

"Das Paket soll sich nach dem Kunden richten und nicht der Kunde nach dem Paket", formulierte Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber seine Vision. Soll heißen: Der Kunde soll entscheiden, welche Produkte er zu welcher Geschwindigkeit geliefert bekommen möchte. Der britische Amazon-Manager Paul Misener hat, was die Schnelligkeit betrifft, noch ambitioniertere Pläne. Man wolle "Pakete binnen 30 Minuten zum Kunden zu bringen".

Dass zumindest in Deutschland neben Büchern, elektronischen Geräten und Kleidung in Bälde zu den Trockenprodukten im Lebensmittelbereich – vom Mehl bis zu Nudeln – auch der Kopfsalat dazukommt, gilt unter Experten als ausgemachte Sache. Offiziell ist der größere Einstieg ins Lebensmittelgeschäft nicht. Die rasche Auslieferung ist für Lebensmittel aber noch wichtiger, als für manches andere Produkt.

Zwar werden auch künftig keine Millionen Drohnen den Himmel über der Großstadt verdüstern. Aber im ländlichen Raum hat der Einsatz von Drohnen schon Sinn, wenn die Lieferzeit unter einer Stunde liegen soll. Denn wer Medikamente oder vielleicht Zutaten kauft, die gerade für einen Geburtstagskuchen fehlen, will das Erstandene gleich und sofort.

Entwicklung in Graz

Dass Amazon intensiv am Thema arbeitet, ist kein Geheimnis. Gerade erst wurde ein Entwicklungszentrum in Graz eröffnet, in dem sich Wissenschafter um Technikfragen kümmern.

Den Österreichern liefern ihre Packerln dennoch wohl noch länger Postler oder die Paket-Konkurrenz. Nicht nur, weil die Flugverkehrsbehörde Austro Control für eine der strengsten Vorschriften Europas sorgt. "Wir sehen derzeit keinen Bedarf und keine Nachfrage – noch nicht", sagt Postsprecher Michael Homola. (Regina Bruckner, 27.7.2016)

  • Die Spezies der unbemannten Flugkörper (Unmanned Aerial Vehicle) stößt nicht nur als Spielzeug für Hobbyflieger auf reges Interesse. Wer Pakete bewegen muss, hofft auf freie Fahrt in der Luft.
    foto: dpa/pleul

    Die Spezies der unbemannten Flugkörper (Unmanned Aerial Vehicle) stößt nicht nur als Spielzeug für Hobbyflieger auf reges Interesse. Wer Pakete bewegen muss, hofft auf freie Fahrt in der Luft.

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