Sommergespräch mit Frank Stronach: "Es ist Quatsch"

26. Juli 2016, 13:42
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Susanne Schnabl blieb ein höfliches Gegenüber, das Stronach nicht unsympathisch zu sein schien

Nichts Neues eigentlich im Kosmos Stronach. Das erste Sommergespräch, das Susanne Schnabl mit dem verkannten Visionär führte, war von größter Sorge um den Zustand der Heimat geprägt, in die der alte Herr bisweilen zu Besuch kommt.

Stronach konstatierte die Kaputtheit des System, betonte die Wichtigkeit von Wirtschaft und brauchte eine Weile, bis er zu klagen begann, dass er mit seiner Botschaft nicht durchdringt. Gewisse Faktenpannen in seiner Argumentation ließen ihn keinesfalls aus der Gelassenheit treten. Er sah, dass Österreichs Parlament über 300 Abgeordnete verfügt (es sind 183), er forderte, der Bundespräsident möge direkt vom Volk gewählt werden, was nach allem, was bekannt ist, auch ohnedies der Fall sein dürfte.

Susanne Schnabl blieb bei alldem ein höfliches Gegenüber, das Stronach nicht unsympathisch zu sein schien. Recht angenehm war folglich die Atmosphäre: Stronach ließ Schnabl oft sogar ausreden, sehr oft gar Fragen stellen. Er beklagte zwar, dass er nicht über sein Wirtschaftskonzept reden dürfe. Er übersah in seinem Protest allerdings, dass er längst Fragen serviert bekommen hatte, die um das Thema Ökonomie kreisten. Ganz klar: Der Mann ist etwas enttäuscht und gekränkt, sein Ruf ist ihm wichtig, er leidet, dass selbiger in der eigenen Heimat so ramponiert ist. Allerdings führte seine Wehklage in diesem ersten Sommergespräch dazu, den Eindruck einer weiteren unfreiwilligen Selbstdemontage zu verstärken. So ging die Stunde vorbei, ohne dass klar wurde, was eigentlich los war mit diesem älteren Herrn.

Hilflos fühlte sich auch Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Er versuchte in der "ZiB 2" zu erhellen und zu analysieren, aber auch er schien an die Grenzen seiner Contenance gelangt zu sein. Das Team Stronach nannte er einen "lebenden Leichnam", instabiler als ein Kartenhaus, und "Chaostruppe". Als größten Fehler Stronachs sah er "Stronach selbst". Sätze wie "Das ist alles nur noch wirr" und "Es ist Quatsch" oder auch "Die Wähler wurden immer weniger, je mehr Stronach auftrat" fielen und werden im Kosmos Stronach alle Befürchtungen bestätigt haben. (Ljubiša Tošić, 26.7.2016)

  • Frank Stronach bei Susanne Schnabl.
    foto: orf/günther pichlkostner

    Frank Stronach bei Susanne Schnabl.

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