A1-Betriebsrat prügelt Staatsholding Öbib

25. Juli 2016, 16:35
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Staatlicher Kernaktionär agiere "geschäftsschädigend"

Wien – Stellvertretend für Finanzminister Hans Jörg Schelling bekam am Montag Öbib-Geschäftsführerin Martha Oberndorfer die Prügel des Telekom-Austria-Betriebsrats zu spüren: Die Öbib wandle auf den Spuren der unter anderem deswegen reformierten ÖIAG und "betreibe geschäftsschädigende Unternehmenspolitik", echauffierte sich TA-Zentralbetriebsratschef Walter Hotz via Aussendung.

Die Entscheidung, die Dividende von 5,0 auf 20 Eurocent zu erhöhen, sei in der jetzigen Phase "verfrüht und äußerst negativ", so Hotz weiter. Denn die Ausschüttung von rund 133 Millionen Euro beruhe lediglich auf Einsparungen und nicht auf "entsprechenden Umsatzsteigerungen". Wer im Detail profitiert: Von den 133 Millionen Euro bekommt 28,42-Prozent-Eigner Öbib knapp 38 Millionen Euro, Hauptaktionär América Móvil 79,4 Millionen Euro, der Rest geht an den Streubesitz (11,88 Prozent).

Überschaubare Umsatzsteigerung

Die Umsatzsteigerungen waren im ersten Halbjahr in der Tat überschaubar: Sie stiegen in der Gruppe um 1,3 Prozent auf 663 Millionen Euro, in einzelnen Kernmärkten gab es allerdings herbe Abstürze: In Bulgarien ging der Umsatz um 3,4 Prozent zurück, das operative Ergebnis (Ebitda) um 4,0 Prozent. In Weißrussland schlugen Währungseffekte negativ zu Buche: Der Umsatz brach um 11,6 Prozent auf 145 Millionen Euro ein, das Ebitda gar um 18,7 Prozent auf 69,5 Millionen Euro. Slowenien stellte mit einem Ergebniseinbruch um 37,4 Prozent einen Rekord auf.

Unterm Strich blieb in der TA-Gruppe im Halbjahr beim Betriebsergebnis (Ebit) ein Minus von 10,5 Prozent (auf 231,7 Millionen Euro). Der Absturz ist den Auslandsmärkten geschuldet. In Bulgarien halbierte sich das Ebit, in Weißrussland brach es um 17,1 Prozent ein, in Slowenien marginalisierte es sich um 65,7 Prozent. Wettgemacht wurden die Schwächeanfälle hauptsächlich vom Heimmarkt Österreich, wo das Betriebsergebnis trotz massiven Wettbewerbs und der von der EU per Ende April verordneten Roaming-Rückgänge um 10,2 Prozent auf 191,3 Millionen Euro stieg.

Sehr zum Leidwesen der Belegschaftsvertreter ging der Personalstand von A1 Telekom in Österreich um 2,2 Prozent auf 8464 Vollzeitäquivalente zurück, während er im Konzern um 9,8 Prozent auf 17.660 gestiegen ist. (ung, 25.7.2016)

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