Verizon kauft Yahoo um 4,8 Milliarden Dollar

25. Juli 2016, 13:25
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Damit verliert eines der bekanntesten Unternehmen der Internetindustrie seine Unabhängigkeit

Das Schicksal von Yahoo ist entschieden: Der kriselnde US-Konzern verkauft sein Internetgeschäft an den US-Telekomriesen Verizon. Dafür zahlt Verizon 4,8 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro). Yahoo verliert damit nach mehr als 20 Jahren seine Eigenständigkeit. Verizon will Yahoo mit seiner Internettochter AOL zusammenlegen, um besser mit Google und Facebook bei Onlinewerbung konkurrieren zu können.

Nicht abgestoßen werden die Beteiligungen an dem chinesischen Onlinehändler Alibaba und Yahoo Japan. Diese waren zuletzt mit rund 40 Milliarden Dollar viel mehr wert als das angestammte Internetgeschäft. Insidern zufolge hatten sich auch der US-Telekomkonzern AT&T und einige milliardenschwere Investoren für Yahoo interessiert.

Google und Facebook noch nicht einmal in Planung

Als Yahoo gegründet wurde, waren Google und Facebook noch nicht einmal in Planung. Das weltweite Web war 1994 so jung, dass man die Seiten wie in einem Telefonbuch nach Themen ordnen konnte. Die Stanford-Studenten Jerry Yang und David Filo machten genau das mit "Jerry und Davids Wegweiser für das World Wide Web". Wenig später änderten sie den Namen in Yahoo, eine augenzwinkernde Abkürzung für "Yet Another Hierarchically Organized Oracle" (Noch ein hierarchisch geordnetes Orakel). Die Idee kam an, Yahoo wurde für viele Nutzer zur Startseite auf ihrem Weg ins Netz.

Doch das Web wurde schnell zu groß für diese Art von Katalogisierung. Damit schlug die Stunde von Internetsuchmaschinen wie Google, die Inhalte selbst erfassen und nach einem Algorithmus sortieren. Yahoo versuchte sich auch in diesem Geschäft, konnte jedoch – wie allerdings alle anderen auch – nicht mit Google mithalten. Es war übrigens Yang gewesen, der den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin empfahl, ihre eigene Firma zu gründen, statt weiterzuversuchen, ihre Suchformel für eine Million Dollar an damalige große Player wie Excite zu verkaufen.

Es war einer der vielen Momente, in denen Yahoo-Bosse den Lauf der Geschichte der Internetbranche hätten verändern können. Jahre später machte der damalige Yahoo-Chef Terry Semel noch einen Anlauf, Google für bis zu drei Milliarden Dollar zu kaufen – doch die inzwischen reiferen Gründer ließen ihn abblitzen.

Heute ist Facebook rund 350 Milliarden Dollar wert

Der frühere Hollywood-Manager Semel, der das Geschäft von Yahoo nach dem Platzen der Internetbörsenblase zur Jahrhundertwende stabilisieren sollte, bot 2006 auch einem jungen Mann Anfang 20 eine Milliarde Dollar für dessen aufstrebendes Onlinenetzwerk. Doch Mark Zuckerberg überzeugte seine Investoren, dass Facebook mit ihm an der Spitze viel mehr erreichen kann. Heute ist Facebook rund 350 Milliarden Dollar wert und die Google-Mutter Alphabet mehr als 500 Milliarden Dollar – und Yahoo geht für keine fünf Milliarden über den Ladentisch.

Denn der Webpionier hat zwar nach wie vor hunderte Millionen Nutzer in seinen Diensten wie E-Mail oder News – liegt aber weit abgeschlagen hinter Google und Facebook im Geschäft mit Onlinewerbung. Die Frage "Was ist Yahoo?" ließ einen Chef nach dem anderen verzweifeln, das Tempo, mit dem angesehene Topmanager verschlissen wurden, ist enorm. Yang, der Semel 2007 selbst an der Spitze ablöste, wird vor allem damit in Erinnerung bleiben, dass er ein rund 45 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot von Microsoft ablehnte. Seine Nachfolgerin war Carol Bartz, die vom Chefposten beim Software-Spezialisten Autodesk rüberwechselte und dort viel Respekt genoss, biss sich an Yahoo ebenfalls die Zähne aus. Auf sie folgte Scott Thompson, der binnen weniger Monaten wieder weg war, nachdem einem kritischen Investor auffiel, dass er seinen Lebenslauf geschönt hatte.

foto: ap
Yahoo-Chefin Marissa Mayer.

Dann kam vor vier Jahren Marissa Mayer, die einen klaren Plan für Yahoo zu haben schien: Mehr Nutzer mit einem üppigeren Medienangebot anlocken, damit das Werbegeschäft wächst. Dafür baute sie New-Portale aus, engagierte bekannte Gesichter wie TV-Moderatorin Katie Couric und ließ sogar die eingestellte Comedy-Serie "Community" im Netz wieder aufleben. Zusätzlich investierte sie in die Rückkehr zu einem eigenen Suchmaschinengeschäft: Unter ihren Vorgängern hatte Yahoo die eigenen Algorithmen eingestampft und die Arbeit an Microsoft ausgelagert. Und sie kaufte für eine Milliarde Dollar die Blogplattform Tumblr, um jüngere Nutzer zu gewinnen.

Mediengeschäft wurde inzwischen wieder eingedampft

Doch Mayers Rechnung ging nicht auf. Die Onlinewerbung wanderte weiterhin vor allem zu Google und Facebook, das Mediengeschäft wurde inzwischen wieder eingedampft, allein die TV-Inhalte brachten hohe Kosten. Auch Tumblr zündete nicht und rund zwei Drittel des Kaufpreises in der Bilanz fielen Wertberichtigungen zum Opfer. Falls die 40-Jährige nach der Übernahme gefeuert werden sollte, steht ihr immerhin eine Vergütung von rund 55 Mio. Dollar zu. Neben einer Abfindung in Höhe von drei Millionen Dollar in bar besteht das dicke Paket fast ausschließlich aus Aktien. Auf Tumblr erklärte Mayer, dass sie bleiben möchte. Ob das die neuen Eigentümer aber überhaupt wollen, wird man ernst noch sehen.

Kennzahlen Verizon und Yahoo.

Was können der Telekomriese Verizon und seine Onlinetochter AOL nun mit Yahoo ausrichten? "Es wird eine harte Integration", schrieb das bei Yahoo sehr gut vernetzte Technologieblog "Recode". Auch nach Mayers Stellenkürzungen hat der Internetpionier immer noch rund 8.800 Mitarbeiter – und AOL gehört bereits ein eigenes kleines Onlinemedienimperium von "Huffington Post" bis zu den Technologieblog "Tech Crunch" und "Engadget". (APA, red, 25.7. 2016)

  • Yahoo verliert nach mehr als 20 Jahren seine Eigenständigkeit.
    foto: apa

    Yahoo verliert nach mehr als 20 Jahren seine Eigenständigkeit.

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