St. Pöltens Lehrgeld und das violette Lächeln

25. Juli 2016, 12:51
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Nach fatalem Patzer von SKN-Goalie Riegler: "Fehler werden in dieser Liga eiskalt ausgenützt" – Gute Stimmung bei der Austria: "Es schaut sehr gut aus"

St. Pölten – Der SKN St. Pölten ist am Sonntag hauchdünn an einem guten Bundesliga-Einstand vorbeigeschrammt. Gegen Austria Wien glückte den Niederösterreichern zehn Minuten vor dem Ende der Ausgleich, aufgrund eines Tormannfehlers in der 96. Minute stand man dennoch mit leeren Händen da.

"Wir haben die Austria an den Rand einer Niederlage gebracht. Dass es jetzt eine Niederlage wurde, ist umso bitterer", sagte Trainer Karl Daxbacher nach dem Auf und Ab seines Teams. Denn anstatt den Ausgleich von Manuel Hartl geschickt über die Zeit zu bringen, drängte sein Team gegen seinen Ex-Klub in der Schlussphase auf den Siegestreffer – und scheiterte kläglich.

Slapstick

Beflügelt von der Atmosphäre in der mit 7.400 Zuschauern gut besuchten NV-Arena witterte die Spieler nach Hartls Tor den Sieg. St. Pölten rannte nach vorne, agierte frech, Kevin Luckassen traf die Latte. Als aber der zuvor tadellose Goalie Christoph Riegler bei einem weiten Ball auf den schnellen Olarenwaju Kayode in der allerletzten Minute in Manuel-Neuer-Manier aus dem Tor sprintete, hielten die Zuschauer bereits den Atem an.

Sekunden später kam der Ball zu Ismael Tajouri, der zog ab, und Riegler beförderte mit seiner Abwehraktion im Zurücklaufen den Ball selbst ins Tor. Besonders bitter für St. Pölten, denn Tajouris Schuss wäre am Tor vorbeigegangen. Daxbacher wirkte unmittelbar nach dem Match erbost: "Er läuft da ohne Chance auf den Ball heraus und schießt ihn sich dann noch selbst ins Tor. Slapstick pur, würde ich sagen."

Eiskalt

In der Pressekonferenz Minuten später hatte sich der Trainer, der mit der Austria seine größten Erfolge als Spieler gefeiert hatte, bereits wieder beruhigt. Er wolle seinem Keeper, dem "armen Kerl", keinen Vorwurf machen. "Aber ich möchte erwähnen, dass er uns in der Vorsaison einige Siege gesichert hat."

"Fehler werden in dieser Liga eiskalt ausgenützt, und die sind uns heute leider zweimal passiert. Es ist sehr bitter", sagte Mittelfeldspieler Florian Mader, ein weiterer Ex-Austrianer. So waren die Protagonisten des Aufsteigers nach dem späten K. o. zwar enttäuscht, immerhin blieb aber die Erkenntnis, auch auf diesem Niveau mithalten zu können. "Die Austria hat sich schwergetan, mit spielerischen Mitteln zu Chancen zu kommen", merkte Mader an.

Es schaut gut aus für die Austria

Hartl, der Premierentorschütze im Oberhaus, fasste zusammen: "Ein Unentschieden wäre verdient gewesen, der Sieg möglich, und geworden ist es eine extrem bittere Niederlage." Vereinspräsident Gottfried Tröstl erklärte: "Ich bin überzeugt, es wird für uns noch eine ganz, ganz schöne Saison werden."

Von der turbulenten Schlussphase abgesehen war die Austria spielbestimmend. "Am Ende haben wir ein bisschen Glück gehabt und auch den Glauben an den Sieg. Wenn man die ganzen 90 Minuten sieht, dann ist der Sieg aber verdient", meinte Trainer Thorsten Fink. Tajouri fasste die Stimmung im Austria-Lager zusammen: "Es schaut sehr gut aus, vier Pflichtspiele – vier Siege." (APA, red, 25.7.2016)

  • Violetter Tag in St. Pölten.
    foto: apa/punz

    Violetter Tag in St. Pölten.

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