Mercedes AMG CT 63: Der Lieferwagen des Teufels

25. Juli 2016, 12:08
201 Postings

Die weiße Farbe des Wagens ist nur Tarnung. Denn unter der Haube des Mercedes-AMG CT 63 stecken beinahe 500 PS

Wien – Das ist einmal ein Auto. So viel Platz, so praktisch, auch schön, unauffällig, brav, fast bieder. Eine seriöse Familienkutsche. Endlich kehrt Vernunft ein. Ulli nickte anerkennend. Bis ich den Motor anließ. Erst ein heiseres Fauchen, dann ein böses Grollen. Es war nicht zu überhören.

foto: andreas stockinger

Ulli war wie vom Donner gerührt, im wahrsten Sinn des Wortes. Sie blickte irritiert um sich. "Was ist das?" Der Motor fing sich in einem unregelmäßigen Brabbeln. Der Wagen bebte, und wir mit dem Wagen. "Was ist das!" Das Wabern aus vier Litern Hubraum durchdrang den Innenraum des Mercedes. Acht Zylinder stampften auf und ab. Der Wagen war im Stillstand kaum zu bändigen, zog und zerrte am Lenkrad. Ich lachte blöde, die pure Verlegenheit: "Äh, AMG?"

Das Gurgeln von 476 PS

Erst als ich vor den Augen der feixenden Nachbarskinder an den Ohren aus dem Wagen gezogen worden war, konnte ich zu einer ernsthaften Erklärung ansetzen. AMG ist die sportliche Tochter von Mercedes, die macht die Autos ein bisschen flotter. In dem Fall reden wir von 476 PS. Ja, wirklich. Und ja, der ist schon wirklich schnell.

foto: andreas stockinger

Aber hat auch viel Platz hinten für die Einkaufstaschen, das Gepäck, den Kinderwagen. Und bei 250 km/h wird abgeregelt, da ist Schluss. Eh blöd. Aber die Entriegelung mit dem Performancepaket kostet extra. Der ginge dann fast 300 km/h, aber nein, da hast du völlig recht, wer braucht denn so was! Wir sind mit 130 km/h völlig zufrieden, vielleicht 145? Blöd nur, dass die so schnell erreicht sind, man braucht nur bis vier zählen und ist schon auf hundert.

Autoyoga

Zweiter Anlauf, fauch und brüll, die Kinder applaudieren, Ulli hält sich mit ausgestreckten Beinen den Motor vom Leib und verstärkt mit den Armen die Dachstreben.

Mit einem Satz sprangen wir aus der Parklücke. Hätte sich Ulli nicht festhalten müssen, hätte es an dieser Stelle die erste Kopfnuss gegeben, die erste von vielen.

foto: andreas stockinger

Natürlich kann man mit diesem C-Klasse-Kombi auch rollen. Aber nur schwer. Die Siebenstufenautomatik ist von einer reizenden Umgänglichkeit, aber irgendwie wird der Wagen immer schneller, und in forciertem Betrieb ist der Wagen schneller, als man denken kann. Insgesamt ist er ein Quell der Freude, wenn auch nicht der von Ulli. Und da reden wir noch nicht vom deaktivierten ESP: Da ist dann die Hölle los, wenn man erst einmal die oberen Drehzahllagen betritt. Und wenn man nur daran denkt, steht der Wagen schon quer. Aber das ist jetzt nur so dahingesagt, weil dieses Hereinprasseln von Kopfnüssen mag man sich nicht ausmalen.

Der Pferdefuß

Die Wahrheit ist nämlich: Das ist der Lieferwagen des Teufels, und kaum hat man sich hineingesetzt, hat man einen Kontrakt mit diesem unterschrieben, seine Seele verkauft – und ist aus dem Gasfuß ein Pferdefuß geworden. (Michael Völker, 25.7.2016)

Link

Mercedes

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Artikelbild
    foto: andreas stockinger
  • Artikelbild
    foto: andreas stockinger
  • Artikelbild
    foto: andreas stockinger
  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.