Standort Österreich als Drehscheibe für den Osten

24. Juli 2016, 15:40
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Multikultureller Standortvorteil

Wien – Österreich, und dabei besonders die Bundeshauptstadt, ist als Standort für internationale oder Osteuropazentralen ausländischer Unternehmen attraktiv. 362 waren es nach einer Aufstellung der Plattform Headquarters Austria im Vorjahr, die von hier aus ihre Geschäfte steuerten. Tendenz steigend. Warum dem so ist?

Einer, der es wissen sollte, ist Andreas Chromy: "Eine der großen Stärken Österreichs ist die multikulturelle Kompetenz." Chromy leitet für Murrelektronik die Geschäfte in Österreich und in elf Ländern in Mittel- und Osteuropa. "Wir können uns gut in die Kultur unserer osteuropäischen Nachbarn einfühlen – besser als Deutsche", fügt er hinzu.

Das 1975 von Franz Hafner in einer Garage im schwäbischen Oppenweiler gegründete Unternehmen stellt Bauteile für Automatisierungstechnik, unter anderem für die Automotive-Branche, her. 20 Prozent des Umsatzes von zuletzt 244 Millionen Euro erzielte der Betrieb mit seinen weltweit 2000 Mitarbeitern in Osteuropa.

Industrie 4.0

Das Familienunternehmen, das für den europäischen Markt in Deutschland und Tschechien produziert, ist für Chromy nicht nur ein gutes Beispiel für Österreich als Drehscheibe in den Osten, sondern auch für die steigende Bedeutung von Produkten made in Europe. Stichwort Industrie 4.0: "Der Trend geht bei kleinen und mittleren Unternehmen in Richtung Fertigung von Kleinserien, mit denen die Auftraggeber rasch bedient werden können. Chinesische Anbieter haben bis zu zwei Wochen Lieferzeiten, das ist schlecht für schnelle Kundenprodukte."

Das zweistellige Wachstum, das Murrelektronik seit Jahren in Österreich und Osteuropa verzeichnen kann, könnte Chromy zufolge noch höher ausfallen – "wenn es nicht immer schwieriger wäre, Vertriebsmitarbeiter zu finden". Er führt dies vor allem auf die mangelnde Reisebereitschaft jüngerer Menschen zurück. Dabei stünden ihnen im Vertrieb viele Wege offen, etwa in boomende Branchen zu wechseln, viele Leute kennenzulernen und leistungsbezogen unmittelbar belohnt zu werden. Andreas Chromy muss es wissen. Er ist seit 33 Jahren Vertriebler, reist viel und fliegt beruflich pro Jahr um die 100.000 Kilometer. (Karin Tzschentke, 25.7.2016)

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