Entsetzen über IS-Doppelanschlag in Kabul mit mindestens 80 Toten

24. Juli 2016, 13:51
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Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich bei Demonstration in die Luft – Terrormiliz IS bekannte sich zu Angriff – Landesweites zehntägiges Demonstrationsverbot erlassen

Kabul – Der verheerende IS-Doppelanschlag mit mindestens 80 Toten in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat international Entsetzen ausgelöst. Das Innenministerium in Afghanistan erließ ein landesweites, zehntägiges Demonstrationsverbot und gab dafür Sicherheitsgründe an. Für Sonntag wurde Staatstrauer im ganzen Land ausgerufen.

Afghanistans Regierungschef Ashraf Ghani kündigte Rache für das "Blut unserer geliebten Angehörigen" an. Er ließ alle Flaggen auf Regierungsgebäuden auf halbmast setzen.

Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich über das IS-Sprachrohr Amak zu dem Doppelanschlag am Samstag, bei dem auch 231 Menschen verletzt wurden. Zwei Selbstmordattentäter hatten sich inmitten einer Demonstration in die Luft gesprengt.

Demo wegen Verlegung einer Hochspannungsleitung

Nach Angaben der Organisatoren der Demonstration hatten sich mehr als 10.000 Menschen auf einem zentralen Platz versammelt, um gegen die Verlegung einer geplanten Hochspannungsleitung zu protestieren. Viele der Demonstranten gehörten der schiitischen Minderheit der Hasara an. Der Protest richtete sich unter anderem gegen die wirtschaftliche Benachteiligung der Hasara durch die Verlegung der Stromtrasse.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Terroranschlag als "verabscheuungswürdiges Verbrechen", das sich gegen Bürger gerichtet habe, die friedlich für ihre Grundrechte eingetreten seien. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, hieß es in einer in New Yorh veröffentlichten UN-Stellungnahme weiter.

Die USA sprachen von einer "feigen Attacke". Dass sie sich gegen friedliche Demonstranten gerichtet habe, mache sie noch verabscheuungswürdiger, erklärte das Weiße Haus. Die USA und die internationale Gemeinschaft stünden im Kampf gegen "Kräfte, die Afghanistans Sicherheit, Stabilität und Wohlstand bedrohen", weiter fest an der Seite des afghanischen Volkes und der Regierung.

Solidarität aus der EU

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "furchtbaren Terroranschlag". Es sei augenscheinlich das Ziel der Attentäter gewesen, möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen und zu verletzen. "Besonders in diesen Situationen ist es wichtig, dass das Land geeint dem Terror die Stirn bietet. Dabei teilen wir die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft des Landes", hieß es weiter.

EU-Vertreter drückten den Familien und Freunden der Opfer ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit dem afghanischen Volk aus. "Wir rufen alle Afghanen auf, geeint zu bleiben, um die Bemühungen im Kampf gegen diese globale Bedrohung zu unterstützen", teilte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini mit.

Papst Franziskus bezog die Opfer von Kabul in sein Angelusgebet vor dem Petersplatz am Sonntag ein. Er rief die Katholiken dazu auf, geeint gegen die "erbärmlichen Akte von Terrorismus und Gewalt" zu stehen.

Iran verurteil Anschlag

Der Iran verurteilte das blutige Attentat auf Angehörige der schiitischen Minderheit der Hazara in Hauptstadt Kabul. "Das terroristische Attentat in Afghanistan ist ein neuer Akt der Barbarei von Daesh", erklärte der iranische Außenminister Mohammed Jawad Zarif am Sonntag unter Verwendung der arabischen Bezeichnung für die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS). Zarif rief zur Einheit der Konfessionen auf. "

Unter den Opfern seien auch afghanische Sicherheitskräfte, erklärte Präsident Ghani am Samstag. Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah verurteilte den Anschlag auf Twitter: "Es zeigt, dass Terroristen und ihre Verbündeten keinen Respekt vor Menschenleben haben." Für Berichte, nach denen Sicherheitskräfte einen dritten Selbstmordattentäter getötet haben sollen, gab es keine Bestätigung.

Die Demonstration in Kabul hatte sich gegen die Verlegung der Route eines wichtigen Stromprojekts gerichtet. Ursprünglich hatte die geplante Überlandstromtrasse über die zentralafghanische Provinz Bamian verlaufen sollen. Nach einem späteren Gutachten wurde die Route aus Sicherheits- und technischen Gründen aber verlegt. Viele Demonstranten waren Mitglieder der Hazara, die größte ethnische Minderheit des Landes, die mehrheitlich die Bevölkerung von Bamian ausmacht. Sie protestierten gegen die wirtschaftliche Benachteiligung und fortgesetzte Diskriminierung ihrer schiitischen Ethnie.

Die sunnitische Terrormiliz IS hat wiederholt brutale Anschläge auf Schiiten in Syrien und im Irak verübt. Die Attacke am Samstag ist die erste gegen eine ethnische Minderheit in Kabul. (APA, 24.7.2016)

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