Enttäuschung: Wieso Netflixs Wachstum drastisch zurückgeht

23. Juli 2016, 10:24
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Die Plattform zieht immer weniger neue User an – Konzern sieht Gründe bei Preiserhöhung

Die Videostreaming-Plattform Netflix konnte im vergangenen Quartal zwar an Nutzern dazu gewinnen, muss sich jedoch gleichzeitig mit dem geringsten Wachstum seit Bestehen auseinandersetzen. Dies sorgte für Unmut bei den Investoren, gleichzeitig fiel der Aktien-Wert. Das Unternehmen hat bereits eine Erklärung für die Misere gefunden, die Tech-Presse hätte sich viel zu sehr auf die Preissteigerung versteift und somit mögliche User abgeschreckt.

US-Content schrumpfte um etwa 40 Prozent

Rob Toledo von Exstreamist sieht das Problem für das schwache Wachstum allerdings woanders. Die Nutzer würden der Plattform vielmehr den Rücken zukehren, weil immer weniger Content verfügbar ist. In den vergangenen vier Jahren schrumpfte das US-Angebot um etwa 40 Prozent. Der Konzern würde sich vielmehr auf Eigenproduktionen fokussieren, was mit Erfolgsserien wie "House of Cards" oder "Narcos" zum Teil auch aufgeht. Allerdings ist neben zehn Prozent fantastischen Serien und Filmen laut Toledo hauptsächlich mittelmäßiger bis schwacher Content zu finden.

foto: ap/daza
Netflixs Eigenproduktion "Narcos".

Netflix setzt auf Qualität statt Quantität

Dass sich Netflix seit längerem auf Qualität statt Quantität fokussiert, zeigt auch die jüngste Ambition, einen 90-Millionen-Dollar-Film mit Will Smith zu produzieren. Um 180 Millionen Dollar hätte die Plattform auch die wohl teuerste US-Serie "Seinfeld" anbieten können, wie es Hulu getan hat. Zwei Stunden Filmunterhaltung stehen somit circa 72 Stunden Serienspaß gegenüber. Exstreamist kritisiert die Strategie von Netflix nicht, allerdings verortet Toledo, dass es dem Unternehmen am Gespür für eine gewisse Balance zwischen Eigenproduktionen und Dritt-Content fehlt.

Hartes Geoblocking-Durchgreifen

Zuletzt ist es möglich, dass das drastische Geoblocking-Durchsetzen von Netflix User vergrault hat. Zuvor war es Nutzern möglich mittels DNS-Diensten oder VPN auf die unterschiedlichen Angebote verschiedener Länder zuzugreifen. Dies war den Rechteinhabern ein Dorn im Auge, weshalb starker Druck auf die Plattform ausgeübt wurde. Im Endeffekt beugte sich der Dienst den Forderungen und ging fortan gegen Nutzer vor, die mit VPN oder speziellen DNS-Services Netflix nutzten – allerdings betonte das Service, dass dies nur eine verschwindend geringe Nutzerbasis ausgenutzt hatte. (dk, 23.07.2016)

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    foto: reuters/blake
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