Tim Kaine: Fleißiger, geradliniger Parteisoldat

Porträt23. Juli 2016, 05:48
16 Postings

Hillary Clinton setzte bei Auswahl ihres "Running Mates" auf Erfahrung und Verlässlichkeit

Washington – Mit Tim Kaine ist Hillary Clinton bei der Wahl ihres Vizepräsidentschaftskandidaten den sicheren Weg gegangen. Der 58-Jährige aus Virginia gilt als erfahrener, moderater Politiker. Er unterstützte die Kandidatur Clintons schon sehr früh und galt von Anfang an als dem Favoritenkreis zugehörig.

Clinton entschied sich für einen alten Parteisoldaten – und damit gegen junge, frische Gesichter im Washingtoner Politikgetriebe. Cory Booker wäre so eines gewesen. Bis zuletzt hoch gehandelt, fiel der Senator aus New Jersey jedoch genauso durch wie Julian Castro, erst 41 Jahre alter Wohnungsminister unter Barack Obama.

Außenpolitische Erfahrung

Clinton hatte für die Wahl ihres Vizes die Latte hoch gelegt. Er muss nicht nur eine gute Nummer zwei sein – im Notfall muss er einspringen können, das Oval Office übernehmen und das Land führen. Das setzt aus Sicht der früheren Chefdiplomatin Clinton vor allem außenpolitische Erfahrung voraus – die kann Kaine ohne Zweifel nachweisen.

Kaine spricht fließend spanisch – in den USA ein besonderer Vorteil bei der wachsenden Wählerschaft mit hispanischem Hintergrund. Im wohl wichtigsten Swing State Florida wird der Bevölkerungsanteil ursprünglich spanischsprachiger Zuwanderer inzwischen mit über 20 Prozent angegeben.

Gut vernetzt

Als gelernter Harvard-Jurist eine Zeit lang als Anwalt aktiv, ist Kaine im Politgefüge der Hauptstadt Washington wie auch in seinem Heimatstaat gut vernetzt. Privat gilt der verheiratete Vater dreier Kinder als ruhig. Vor wichtigen politischen Entscheidungen geht er gerne im Wald wandern oder spielt Bluegrass-Musik.

Er war zunächst Bürgermeister von Virginias Hauptstadt Richmond, ehe er Vizegouverneur und 2006 dann Gouverneur von Virginia wurde. Seit 2013 sitzt er für den südlichen Staat im US-Senat.

Kampf gegen Schusswaffendelikte

Als Kommunalpolitiker blieb vor allem sein erfolgreicher Kampf gegen Schusswaffendelikte in Richmond in Erinnerung. Obama, der Kaine bereits als Vizepräsidentschaftskandidat im Auge hatte, machte ihn 2009 zum Vorsitzenden der Demokratischen Partei.

Aus seiner Zeit als Gouverneur und Vizegouverneur stammen auch Medienberichte über die Annahme von Geschenken. Er selbst hatte in seinen Finanzunterlagen angegeben, Reisen, Kleidung und andere Annehmlichkeiten im Gegenwert von mehr als 160.000 US-Dollar (145.269,66 Euro) angenommen zu haben. In Virginia ist das nicht ungesetzlich. Dennoch erwarten US-Medien, dass das republikanische Lager um Donald Trump den Fall thematisieren wird. (dpa, APA, 23.7.2016)

  • Tim Kaine, in den Augen Hillary Clintons ein Vize, der notfalls Nummer eins sein kann.
    foto: ap/bob breidenbach_

    Tim Kaine, in den Augen Hillary Clintons ein Vize, der notfalls Nummer eins sein kann.

Share if you care.