Sam Allardyce neuer englischer Teamchef

22. Juli 2016, 18:14
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61-Jähriger unterschreibt Zweijahres-Vertrag, er wurde um einen Millionenbetrag aus seinem Vertrag bei Sunderland freigekauft

London – Englands neuer Teamchef heißt Sam Allardyce . Der 61-Jährige unterschrieb einen Vertrag über zwei Jahre, teilte die FA am Freitag mit. Allardyce hatte Sunderland in der abgelaufenen Saison zum Klassenerhalt in der Premier League geführt. Er wird Nachfolger von Roy Hodgson, der nach dem EM-Out im Achtelfinale gegen Island zurückgetreten war.

Britische Medien hatten die Verpflichtung schon am Mittwoch als "so gut wie perfekt" vermeldet. Die FA musste allerdings noch mit Sunderland über eine Ablösesumme verhandeln. Nach Informationen der Boulevardzeitung "Sun" bezahlt der Verband mehr als drei Millionen Euro, um Allardyce aus seinem Vertrag freizukaufen. Die Entscheidung des dreiköpfigen Selektionskomitees sei einstimmig ausgefallen. "Wir haben in den vergangenen drei Wochen sorgfältig analysiert – mit dem Ergebnis, dass Sam der ideale Kandidat ist", sagte Generaldirektor Martin Glenn. "Seine Fähigkeit, das Beste aus den Spielern und dem Team rauszuholen und einen starken Teamgeist zu entfachen, sind herausragend."

"Der richtige Mann?"

Allardyce, der neben US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann auch die anderen Anwärter Steve Bruce (Hull City) und Eddie Howe (AFC Bournemouth) aus dem Feld geschlagen hat, steigt zum 15. Teammanager im Mutterland des Fußballs auf. Vor zehn Jahren war der mann, den sie Big Sam nennen, schon einmal als neuer Nationaltrainer gehandelt worden, damals entschied sich der Verband jedoch für Steve McLaren als Nachfolger von Sven-Göran Eriksson.

Allerdings dürfte Allardyce nur die zweite Wahl für Roy Hogdsons Nachfolge gewesen sein. Arsene Wenger, der bei Arsenal noch einen Vertrag bis 2017 besitzt, habe der FA zuvor abgesagt. Auch deshalb fielen die Reaktionen in britischen Medien unterschiedlich aus. Der "Daily Telegraph" fragte: "Ist Allardyce der richtige Mann für den Job? Oder ist er nur der einzige?" Die Verpflichtung sei "nicht gerade beeindruckend".

Sein Debüt gibt Allardyce nun jedenfalls beim Länderspiel am 1. September gegen einen noch nicht feststehenden Gegner. Drei Tage später startet England gegen die Slowakei in die WM-Qualifikation.

Harter Hund, der Moderne aufgeschlossen

Als Spieler kann Allardyce eine Karriere vorweisen, die sich über immerhin 19 Jahre erstreckte. Der größte Erfolg gelang dem Verteidiger mit seinem Stammverein, den Bolton Wanderers, mit denen er 1978 den Aufstieg in die alte First Division schaffte. Allardyce war berüchtigt für harte Tacklings und technische Limitierung, glänzte jedoch mit gutem Kopfballspiel und einer gewissen Fähigkeit zur Antizipation, wodurch mangelnde Schnelleigkeit wettgemacht werden konnte.

Sein Einstieg ins Coaching-Geschäft war ein Job als Spielertrainer für West Bromwich im Jahr 1989. Diese Rolle spielte er noch einmal in der irischen Provinz, mit Limerick stieg er 1992 in die erste Liga auf. 1999 kehrte Allardyce nach Bolton zurück, wo er eine bis 2007 andauernde Erfolgsära begründete (371 Spiele, 153 Siege, 114 Niederlagen). Er führte das Team aus der Arbeiterstadt erst in die Premier League, wo sich die Wanderers nach und nach etablierten. Platz sechs 2004/05 brachte gar die historisch erstmalige Qualifikation für den UEFA-Cup. Eine größere Trophäe konnte Allardyce in seiner Manager-Karriere, die sich ausschließlich bei Underdogs entfaltete, bisher nicht gewinnen.

Im Widerspruch zu seinem volkstümlichen Auftreten gilt Allardyce als einer der Pioniere moderner sportwissenschaftlicer Ansätze in Englands Fußball. Statistik und technische Tools sind selbstverständliche Hilfsmittel bei der Präparierung seiner Mannschaften. Vorwürfe nach denen Allardyce-Teams einen Hang zu Kick-and-Rush-ähnlichen Ansätzen verrieten, weist Big Sam seit Jahren mit Vehemenz zurück.

2007 wurde Allardyce in einer BBC-Dokumentation vorgeworfen, Bestechungsgelder von Spieleragenten angenommen zu haben, woraufhin er den Sender mit einem Boykott belegte. Eine angekündigte Klage wegen übler Nachrede brachte er allerdings nie ein. (sid, bausch 22.7. 2016)

  • Sam Allardyce ist Englands 15. Teamchef.
    foto: reuters/sykes

    Sam Allardyce ist Englands 15. Teamchef.

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