Volksbanken zahlen ab heuer verbliebenes Staatsgeld zurück

22. Juli 2016, 15:29
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Ab heuer soll die Volksbankengruppe die verbliebenen knapp 300 Millionen Euro abschichten, der Sektor fusioniert im Zwei-Wochen-Takt

Wien – Die Volksbankengruppe sieht nach der ÖVAG-Zerschlagung und einer radikalen Neuaufstellung die Krise hinter sich. Am Freitag kündigte der Chef des vor einem Jahr installierten neuen Sektorspitzeninstituts Volksbank Wien an, heuer mit der Rückzahlung des ausstehenden Staatsgelds (noch knapp 300 Mio. Euro) zu beginnen. Luft dafür gibt es wegen des Verkaufs der start-Bausparkasse und Immobank an die BAWAG.

Noch heißt es aber: Weiter fusionieren, Filialschließungen, Personalabbau, Kosten sparen. Das haben der Bund, EZB und EU vorgegeben. Der Widerstand gegen die behördlich auferlegten Fusionen regionaler Volksbanken ist weg, heißt es. "Die Volksbanken erkennen, die Krise ist vorbei", sagte Volksbank-Wien-Chef Gerald Fleischmann am Freitag vor Journalisten. Davor hatte das alte Spitzeninstitut ÖVAG jahrelang für negative Schlagzeilen gesorgt, auch die Fusionen sorgten anfangs noch für einigen Aufruhr.

"Unglaubliche Fusionsmaschinerie"

Eine Rettungsauflage: Die vor einem Jahr noch rund 60 Volksbanken müssen bis Mitte 2017 auf acht (plus zwei Spezialbanken) schrumpfen. Zur Zeit sind es noch etwa 20. Jedes zweite Wochenende geht eine Fusion über die Bühne. Fleischmann spricht von einer "unglaublichen Fusionsmaschinerie". Am kommenden Wochenende nimmt die Volksbank Wien die Volksbank Weinviertel herein. In einem Jahr gibt es pro Bundesland im Wesentlichen nur mehr eine Volksbank, das Burgenland untersteht Wien.

Eine ursprünglich rebellische kleine Volksbank, Almtal, kommt in Kürze zurück in den Schoß des Volksbanken-Verbunds. Sie wird logischerweise in die Volksbank Oberösterreich integriert. Ausgeschieden sind "Gmünd" und "Osttirol", die zur neuen Dolomitenbank wurden. Von dort gab es zuletzt eine Ablösezahlung von 8 Millionen Euro. Diese Zahlung wurde an den Bund weitergereicht.

"Wir schulden der Republik damit nicht mehr 300 Millionen, sondern 292 Millionen Euro", so Fleischmann. Er kündigte heute an, "heuer schon einen Teil zurückzuzahlen". Wieviel, soll noch mit der Aufsicht geklärt werden.

Großteil abgeschrieben

Der Staat hatte in die ÖVAG-Rettung seit Ausbruch der Finanzkrise mehr als eine Milliarde Euro gesteckt. Der Großteil musste nach Kapitalschnitten abgeschrieben werden, auch eine verbliebene Staatstranche von 300 Mio. Euro PS-Kapital fiel einem solchen Schnitt zum Opfer. Die Rückzahlungspflicht für diese Restsumme von 300 Mio. Euro blieb für die Volksbanken als ehemalige ÖVAG-Eigentümer aber aufrecht. Bis zu deren Tilgung bleibt der Bund auch 25 Prozent Aktionär an der Volksbank Wien.

Vereinbart war bisher, die Summe bis 2023 zu tilgen. Nun will Fleischmann auf jeden Fall bis 2020 mit der gesamten Rückzahlung fertig sein, also drei Jahre früher. Im Rating hofft man, Anfang 2017 auf "Investment Grade" zurückkehren zu können.

Beschleunigt worden war der radikale Umbau in der Gruppe, als die alte ÖVAG 2014 nach mehrmaligen Sanierungsversuchen beim europaweiten Banken-Stresstest durchgefallen war. 2015 wurde die Krisenbank zerteilt: Der Fortführungsteil samt Zentralinstitutsfunktion ging auf die Volksbank Wien über, der Abbauteil in die Bad Bank Immigon.

Stresstest angeblich bestanden

Die "neue" Volksbankengruppe unter der Volksbank Wien gehört zu den europäischen Banken, die von der EZB direkt beaufsichtigt werden. In Kürze sind die heurigen Stresstestergebnisse da. "Wir werden nicht durchfallen, das kann ich gleich sagen", sagte Fleischmann heute. Die EZB hat vor wenigen Wochen erst nachgeschärfte Umbau- und Verbundpläne der Volksbankengruppe goutiert.

"Wir sind wieder im Spiel", sagte Fleischmann. "Wir wollen dorthin, wo wir vor 2008 waren." Allerdings gestrafft, überdurchschnittlich kapitalisiert und aufs österreichische Geschäft mit Retailkunden, Gewerbekunden und Klein- und Mittelbetrieben bis 50 Mio. Euro Umsatz konzentriert. Für den Herbst wurde heute eine Kreditoffensive für KMU angekündigt. Auch "electronic banking" wird forciert.

Die Kosten sollen massiv runter, bis 2020 soll die Kosten-Ertrags-Relation von 80 auf 60 Prozent schrumpfen. Heuer werden Fusionskosten noch belasten, trotzdem erwartet der Vorstand für die Gruppe 2016 eine "niedrige schwarze Zahl" in der Bilanz. Mitarbeiter- und Filialzahlen sollen um mehr als ein Fünftel sinken. Die Volksbank Wien soll in drei Jahren 80 Filialen haben (aktuell sind es rund 100 in der "Fusionsgruppe Wien"). In der Volksbanken-Gruppe soll die Zweigstellenzahl bis dahin von 450 auf 350 sinken. Der Abbau von rund 900 der knapp 4.400 Beschäftigten in vier Jahren soll laut Fleischmann ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstattengehen. Die natürliche Fluktuation ist mit 8 bis 10 Prozent durchaus hoch. (APA, 22.7.2016)

  • Aus drei mach eins: Dem Volksbankensektor stehen noch zahlreiche Fusionen bevor.
    foto: robert jaeger

    Aus drei mach eins: Dem Volksbankensektor stehen noch zahlreiche Fusionen bevor.

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