Buwog-Affäre: Angeklagte Raiffeisen-Banker dürfen bleiben

22. Juli 2016, 15:29
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Aufsichtsratschef der RLB Oberösterreich kritisiert lange Ermittlungsdauer: "Da überholt uns ja jede Waldschnecke"

Linz – Unter dem Gibelkreuz war die Stimmung schon einmal deutlich entspannter. Nachdem man bei der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich nun auch offiziell mitten im Buwog-Skandal angekommen ist – angeklagt ist neben dem ehemaligen Generaldirektor Ludwig Scharinger und einem Mitarbeiter der RLB-Tochter Real-Treuhand vor allem auch der amtierende Vorstandsdirektor Georg Starzer – wurden in der Chefetage bereits erste Notfallmaßnahmen eingeleitet. Dem Vernehmen nach wurde Aufsichtsratspräsident Jakob Auer Donnerstagmittag von Vorstandschef Starzer über die Anklage in Kenntnis gesetzt.

Faktencheck

Auer setzte umgehend eine Präsidiumssitzung für Freitagmittag an. Dort kam man dann rasch zu dem Beschluss, dass der Nominierungsausschuss die Faktenlage in der umfangreichen Anklageschrift zu prüfen habe – und erst dann im Aufsichtsrat eine entsprechende Entscheidung getroffen werde.

"Wir werden uns die Sache in aller Ruhe anschauen. Ich bin auf jeden Fall nicht bereit für eine Vorverurteilung", stellten sich Auer und RLB-Generaldirektor Heinrich Schaller am Freitag klar hinter ihren Vorstandsdirektor. Das zuständige Gremium des Aufsichtsrates sowie in weiterer Folge der Gesamtaufsichtsrat habe jetzt zu prüfen, ob die "fit&proper Voraussetzungen bei einer der betroffenen Personen nach wie vor gegeben sind", erläutert Auer.

Zu den mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen beim Verkauf der Buwog und rund um die Einmietung der Finanzbehörden in den Linzer Terminaltower wollten sich beide nicht näher äußeren: "Laufende Verfahren kommentieren wir inhaltlich nicht."

Keine Urlaubsfreuden

Wobei Auer vor allem die lange Ermittlungsdauer von sieben Jahren sauer aufstößt: "Da ist eigentlich in Österreich unglaublich. Da überholt uns ja jede Waldschnecke. Freude habe er mit der aktuellen Situation "keine". Auer: "Generaldirektor Schaller und ich haben halt jetzt statt einem Urlaub eine Sonderbeschäftigung." (Markus Rohrhofer, 22.7.2016)

  • Im U-Ausschuss des Parlaments musste Georg Starzer bereits vor vier Jahren aussagen, nun kommt es zu einem Gerichtsprozess.
    foto: apa

    Im U-Ausschuss des Parlaments musste Georg Starzer bereits vor vier Jahren aussagen, nun kommt es zu einem Gerichtsprozess.

  • Auch Ludwig Scharinger wurde im Jahr 2012 von den U-Ausschuss-Mitgliedern bereits befragt.
    foto: cremer

    Auch Ludwig Scharinger wurde im Jahr 2012 von den U-Ausschuss-Mitgliedern bereits befragt.

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