SOS-Kinderdorf sucht Gastfamilien für jugendliche Flüchtlinge

22. Juli 2016, 13:55
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Organisation betreut circa 50 unbegleitete, minderjährige Asylwerber – Es gehe darum, "individuelle Betreuung und Zuwendung" zu bieten

Wien – Das SOS-Kinderdorf Wien betreut seit dem Vorjahr rund 50 unbegleitete minderjährige Asylwerber. Für diese werden nun Gastfamilien gesucht. Dafür bewerben kann sich laut SOS-Kinderdorf-Wien-Leiter Erwin Rossmann grundsätzlich jeder, es gibt allerdings einige Voraussetzungen.

Interessierte müssen finanziell unabhängig sein, über einen einwandfreien Leumund sowie adäquaten Wohnraum verfügen. Der Hauptwohnsitz muss in Wien liegen. Die jugendlichen Flüchtlinge, für die das Kinderdorf Familien sucht, sind zwischen 14 und 18 Jahre alt. Sie sind größtenteils männlich und stammen aus Staaten wie Syrien, Afghanistan oder Somalia.

Individuelle Betreuung gesucht

Derzeit sind die Jugendlichen in drei betreuten Wohngruppen des SOS-Kinderdorfes in Hietzing, Meidling sowie in Döbling untergebracht. Dort wird ihnen bei der Bewältigung des Alltags bzw. beim Einleben in Österreich geholfen. Die Gastfamilien werden nun gesucht, da die Jugendlichen "nicht nur ein Dach über den Kopf, sondern individuelle Betreuung und Zuwendung" bräuchten, wie das Kinderdorf in der Ausschreibung begründete.

Traumatisierungen zeigen sich langsam

"Die Wahrnehmung, die wir haben, ist: Die Kinder sind aufgrund der Erfahrungen, die sie auf den Weg nach Österreich gemacht haben, extrem traumatisiert", so Wiens Kinderdorf-Leiter Rossmann gegenüber der APA. Die Traumatisierungen würden sich erst langsam, mit Verzögerung zeigen, wenn sich die Jugendlichen in ihrem Umfeld sicher fühlten: "Wenn sie kommen, geht es zunächst um das Thema Grundbedürfnisse. Im Laufe der Zeit bemerken wir eine relative hohe Gewaltbereitschaft bei vielen Jugendlichen – aber da ist auch das Trauma im Hintergrund."

Noch keine Probleme habe es hingegen in Sachen Radikalisierung gegeben, so Rossmann. "Wir merken eher das Thema Gewalt, Gewaltbereitschaft und Impulsdurchbrüche, aber Radikalisierung ist noch nicht Thema. Und wenn es auftaucht, werden wir natürlich die entsprechenden Möglichkeiten, die es gibt, nutzen, um darauf zu antworten." (APA, red, 22.7.2016)

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