Betrugsprozess: Die Problemkinder im Dartverein

24. Juli 2016, 10:00
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Ein 44-Jähriger soll im Namen seines Pfeilwurfklubs Geld kassiert, aber privat verwendet haben. Er vermutet eine Intrige

Wien – Der Dartverein, bei dem Peter S. früher für das Auftreiben von Sponsoren zuständig war, muss eigentlich mehr ein Sozialprojekt gewesen sein, wenn man dem 44-Jährigen glaubt. "Der hatte sicher Problemkinder – trockene Alkoholiker, Kinder von der Straße, Drogenabhängige. Aber das ist alles erst im Laufe der Zeit aufgekommen", erzählt er Richterin Caroline Csarmann, nachdem er sich in seinem Prozess wegen Betrugs für nicht schuldig erklärt hat.

In drei Fällen soll der Frühpensionist und Pflegegeldbezieher Gelder lukriert oder ausgeborgt, diese aber für sich ausgegeben haben. Dass er fünf Vorstrafen, vier davon wegen Betrugs, hat, wirft natürlich nicht das beste Licht auf ihn. Er bleibt aber dabei: Er habe alles nur im Dienste des Vereins gemacht und die Gelder ordnungsgemäß übermittelt.

Dartliga geplant

Der massige Mann ist durchaus eloquent, wirkt nicht unsympathisch und hat auf jede Frage der Richterin eine Antwort. Im ersten Fall geht es um 2.000 Euro einer Firma, mit der ein Dartautomat gekauft werden sollte, der wiederum in einer geplanten Pfeilwurfliga als erster Preis dienen sollte.

Zur Ligagründung kam es nie, sie sei aber eine Idee des Vereins gewesen. Beim zweiten Vorwurf geht es um 1.300 Euro, die die Firma eines anderen Vereinsmitglieds für Werbung zahlen sollte. Dass das Geld zunächst auf seinem Privatkonto landete, sei ein Versehen gewesen, er habe es dann bar abgehoben und gegen eine Quittung dem Kassier gegeben.

Überhaupt, der Kassier. S. vermutet, dass dessen Frau wegen ihrer Drogenprobleme hinter Malversationen steckt. So seien einmal kopierte Geldscheine in der Handkassa aufgetaucht, bei einer Generalversammlung seien Unregelmäßigkeiten in der Buchführung bekannt geworden.

Stand beim Donauinselfest

Im dritten Fall will er sich im November 2012 Geld von der Schwiegermutter des Kassiers ausgeborgt haben, um beim Donauinselfest einen Getränkestand für den Verein zu betreiben. "Warum haben Sie den Darlehensvertrag erst im April 2013 unterschrieben?", fragt ihn Csarmann. Das sei aus Gutmütigkeit passiert. Das Geld müsse die Frau des Kassiers für Drogenkäufe genommen haben. "Die wäre heute nicht mehr da, wenn ihr Mann das erfahren hätte. Die hätte körperliche Probleme mit ihm bekommen."

Das Problem des Betroffenen ist, dass die Zeugen etwas völlig anderes erzählen. Und verraten, dass es am 1. Mai 2013 sogar eine gut besuchte Generalversammlung des Klubs gegeben hat. "Dort haben wir ihn unter einem Vorwand hingelockt", erzählt einer der Gläubiger. Man konfrontierte S. mit den Vorwürfen. Und die habe er dort eingestanden, wie sogar in einem Protokoll festgehalten sei.

Die Dartliga und der Stand beim Donauinselfest hätten nichts mit dem Verein zu tun gehabt, sondern seien Projekte des 44-Jährigen gewesen, beteuern die Zeugen.

Angebot, Schulden abzuarbeiten

Einer der selbst betroffenen Dartkollegen bot an, dass der Angeklagte seine Schulden in seiner Firma abarbeiten könnte, erzählt er. Seltsam daran: Es gibt eine Anmeldung, wonach S. schon einen Monat vor der Sitzung für das Unternehmen arbeitete.

Die Richterin will dennoch mehrere Handlungsstränge aufklären und vertagt für weitere Zeugen auf 20. September. Der Verein hat sich übrigens mittlerweile wegen interner Querelen aufgelöst. (Michael Möseneder, 24.7.2016)

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