Presserat rügt "Journal Graz" wegen Hofer-Wahlwerbung

22. Juli 2016, 12:30
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Kandidat wirbt am Titelblatt – Presserat ortete Verstöße gegen Ehrenkodex wegen schwieriger Unterscheidbarkeit und Einflussnahme

Graz/Wien – Der Presserat hat einen Verstoß wegen kaum gekennzeichneter Wahlwerbung beim "Journal Graz" vom Mai 2016 festgestellt. Die Titelseite mit Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer (FPÖ) darauf verstoße gegen die Punkte 3 (Unterscheidbarkeit) und 4 (Einflussnahme) des Ehrenkodex der österreichischen Presse, hieß es am Freitag in einer Aussendung. Die Medieninhaberin des monatlich erscheinenden Gratismagazins sei dem Verfahren fern geblieben.

Ein Leser hatte kritisiert, dass die Kennzeichnung der Titelseite als "Anzeige" seiner Ansicht nach für einen Laien nicht erkennbar sei. Tatsächlich ist am Titel seitlich neben der Ausgabennummer und dem Erscheinungsort nur sehr klein "Anzeige" zu lesen. Am Titel steht groß neben Bild und Namen des Kandidaten "Österreich braucht ihn jetzt!".

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Auf der Seite 3 finde sich zudem über dem Inhaltsverzeichnis und neben einer kleinen Abbildung der Titelseite folgende Passage: "Zu unserem Titelfoto: Norbert Hofer bleibt auch für die Stichwahl am 22. Mai seinen Inhalten und seiner Linie treu. Er ist ein Mann aus dem Volk – ohne Starallüren – und steht mitten im Leben. Siehe auf den Seiten 16 und 17. www.norberthofer.at". Auf den genannten Seiten findet sich ein Beitrag mit dem Titel "Norbert Hofer – die Stimme des Volkes und der Vernunft", der auf der Seite 17 rechts oben als "ANZEIGE" gekennzeichnet ist.

Die Medieninhaberin habe trotz Einladung des Senats keine Stellungnahme abgegeben und auch nicht an dem Verfahren teilgenommen. Die Kennzeichnung der Titelseite als Anzeige erfolgte laut Senat an einem "nicht leicht auffindbaren Platz und ist kaum lesbar". Diese Kennzeichnung, "die überdies aus einem einzelnen Wort neben einer längeren Reihe von anderen Angaben besteht, hat zu wenig Aufmerksamkeitswert." Die Leser seien daher nach Meinung des Senats nicht ausreichend über den Werbecharakter der Titelseite informiert worden.

Bisher hat sich die Medieninhaberin des "Journal Graz" der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats nicht unterworfen. Auf STANDARD-Anfrage um Stellungnahme teilt Herausgeberin Waltraud Pertzl mit, dass sie ihren Anwalt mit der Prüfung der Causa beauftragt habe. (APA, red, 22.7.2016)

  • Der Presserat rügt das "Journal Graz".
    foto: journal graz

    Der Presserat rügt das "Journal Graz".

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