Westautobahn: Weniger Unfälle seit Einführung von Tempo 80

22. Juli 2016, 11:49
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Zahl der Unfälle mit Personenschaden auf dem Stadtabschnitt der Westautobahn sank im vergangenen Jahr auf 36

Salzburg – Jetzt hat es die Salzburger Landesregierung schwarz auf weiß: Der flexible Luft-80er auf dem Stadtabschnitt der Westautobahn (A1) hat zu keiner Zunahme der Unfälle geführt. Das zeigen sowohl die Unfallstatisik der Statistik Austria als auch eigens von der Autobahnpolizei Anif erhobene Unfalldaten seit 2014. Tempolimitgegner und Verkehrsexperten hatten in der Vergangenheit wiederholt den 80er für erhöhte Unfallzahlen verantwortlich gemacht.

Die Unfallzahlen zeigen aber das Gegenteil: 2015 gab es laut Statistik Austria 36 Unfälle mit Personenschaden auf der Westautobahn zwischen Salzburg-Nord und dem Knoten Salzburg. Die Zahl ist damit im Vergleich zu 2014, als 40 Unfälle registriert wurden, zurückgegangen. Im Schnitt bedeute das etwa einen Unfall alle zehn Tage – bei einem durchschnittlichen Verkehrsaufkommen von rund 100.000 Fahrzeugen pro Werktag.

"Insgesamt kann bei der Unterscheidung, ob Tempo 80 geschaltet war oder nicht, keine Häufung mit Personenschaden in die eine oder andere Richtung abgeleitet werden. Generell ist die Zahl der Unfälle rückläufig, es gibt aber eine Verschiebung der Unfallart", sagt der Leiter der Landesstatistik, Gernot Filipp. Die Zahl der Unfälle bei Fahrstreifenwechsel ist deutlich, jene der Auffahrunfälle leicht gestiegen. Unfälle wegen Schleuderns oder Abkommens von der Fahrbahn sowie wegen sonstiger Ursachen sind dagegen deutlich zurückgegangen.

Mehr Lkw-Unfälle, geringer Abstand

"Was uns Sorgen macht, ist, dass die Unfälle mit Lkws gestiegen sind. Die Fahrer halten meist zu wenig Abstand", sagt Verkehrslandesrat Hans Mayr. Er kündigt an, dass es vermehrt Abstandsmessungen samt saftigen Strafen geben werde.

Dass Lastwagen bei Tempo 80 dieselbe Geschwindigkeit wie Autos fahren, hat in der Vergangenheit für hitzige Debatten unter Verkehrsexperten gesorgt. Zuletzt erklärte der Verkehrssicherheitsexperten Ernst Pfleger von der Boku Wien, dass zwischen Pkws und Lkws ein Geschwindigkeitsunterschied von 20 Stundenkilometer bestehen müsse, sonst seien Auffahrunfälle vorprogrammiert. Mayr hat deshalb ein Gutachten in Auftrag gegeben, das prüfen sollte, ob eine Temporeduktion für den Schwerverkehr auf 60 km/h, wenn der Luft-80er aktiv ist, sinnvoll ist.

Gutachten empfiehlt 80er auch für Lastwagen

Dieses Gutachten der Nast Consulting ZT GmbH empfiehlt nun eine Beibehaltung von Tempo 80 für alle Fahrzeuge. "Die Verkehrssimulation zeigt eine deutliche Harmonisierung des Verkehrsflusses bei einer 80-Stundenkilometer-Beschränkung. Bei einer 60-Stundenkilometer-Beschränkung der Lkws ist die Harmonisierung des Verkehrsflusses geringer", sagt der Sachverständige für Verkehrsplanung, Friedrich Nadler. Er schränkt allerdings ein, dass aufgrund des geringen betrachteten Zeitraums mit Tempo 80 die statistische Signifikanz nicht gegeben, der Trend aber eindeutig erkennbar sei.

Umweltlandesrätin Astrid Rössler (Grüne) hatte erst am Montag die aktuellen Umweltdaten zu Tempo 80 präsentiert. Demnach ist die Belastung an Stickstoffdioxid um fünf bis sechs Prozent gesunken. (Stefanie Ruep, 22.7.2016)

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