Brasiliens Wirtschaft kämpft vor Olympia mit dem Chaos

22. Juli 2016, 08:32
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Die Hoffnungen ruhen nun auf den Olympischen Spielen, die mit österreichischer Beteiligung vorbereitet wurden

Wien/Rio de Janeiro/Sao Paulo – Am 5. August starten in Brasilien die Olympischen Spiele – inmitten der schlimmsten Rezession des Landes seit den 1930er-Jahren. Die Inflationsraten sind hoch, die Arbeitslosenraten ebenso: Im Juni betrug die Teuerung 8,8 Prozent, die Erwerbslosenquote lag bei 11 Prozent. Einen entsprechenden Dämpfer erfuhr auch der Außenhandel Österreichs mit der fünftgrößten Nation der Welt.

"Die Krise in Brasilien war im Großen und Ganzen hausgemacht", sagte der Handelsdelegierte der Wirtschaftskammer Österreich in Sao Paulo, Ingomar Lochschmidt, zur APA. Die brasilianische Regierung habe in den vergangenen drei Jahren "keine glückliche Hand für die Wirtschaft gehabt". Es gab ständige Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik, die Inflation lief aus dem Ruder und das Staatsdefizit explodierte.

Wenig Investitionen

2015 schrumpfte die Wirtschaftsleistung Brasiliens um 3,8 Prozent, für heuer wird derzeit ein ähnlicher Rückgang erwartet, nur leicht abgeschwächt. Die zuvor siebentgrößte Volkswirtschaft könnte deshalb aus den Top-10 der Welt rutschen. Die Industrie steht bei den Investitionen jedenfalls auf der Bremse.

Umso größer waren die Hoffnungen in die heurige Olympiade. Die öffentliche Hand pumpte kurzfristig Geld in den Ausbau des Nahverkehrs. In Rio wurde etwa die Stadtautobahn auf Stelzen zu einem Tunnel mit Flaniermeile oben drauf umgebaut. Eine neue U-Bahn-Linie wird dieser Tage eröffnet. "Rio hat sich ein neues Gesicht gegeben – ohne Olympische Spiele wäre das nie und nimmer gekommen", so der Wirtschaftsdelegierte. In die Fußball-Weltmeisterschaft, die 2014 in Brasilien abgehalten wurde, sei aber weitaus mehr investiert worden.

Österreichische Firmen am Zug

Bei den Vorbereitungsarbeiten für die jetzige Olympiade kam auch gut ein halbes Dutzend österreichische Firmen zum Zug – so etwa die voestalpine mit Schienen und Weichen sowie die Kapsch und Frauscher mit Elektronik für die U-Bahn. "Wir haben zwar kein Stadion gebaut, aber viele Spielstätten wurden von den heimischen Firmen Doka oder Pfeifer eingeschalt", so Lochschmidt. Auf vielen Baustellen waren auch Fronius-Schweißmaschinen im Einsatz.

Teuerung und rückläufiger Konsum setzten vielen internationalen Lieferanten im Brasiliengeschäft in den letzten Jahren aber zu. Auch Österreichs Exportwirtschaft bekam die angespannte Lage zu spüren. Die heimischen Lieferungen dorthin brachen im Jahr 2015 laut brasilianischer Statistik um 20 Prozent auf 901 Mio. Dollar (818 Mio. Euro) ein. Gleichzeitig legten die brasilianischen Exporte nach Österreich laut Statistik Austria um knapp 9 Prozent auf rund 349 Mio. Euro zu. Das drückte den österreichischen Handelsüberschuss.

Mehr Importe aus Österreich

Heuer bis Juni sah die Handelsstatistik mit Brasilien für die Österreicher nicht so schlecht aus: Brasilien bezog der dortigen Importstatistik zufolge österreichische Waren im Wert von 523 Mio. Dollar – um 6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Zur Olympiade vom 5. bis zum 21. August erwartet die brasilianische Regierung rund 10.000 Athleten und 350.000 Touristen. Die Landeswährung Real stieg im Vergleich zum US-Dollar und zum Euro zuletzt wieder deutlich an – das macht auch den Aufenthalt für Olympia-Touristen in Brasilien teurer.

Politisch ist Brasilien weiterhin instabil. Ein Amtsenthebungsverfahren gegen die suspendierte Staatschefin Dilma Rousseff wurde im Mai eingeleitet, Interimspräsident Michel Temer sitzt derzeit am Hebel. Nach der Olympiade geht das Verfahren weiter. Bis endgültig Klarheit herrscht, werden die Investitionen nicht anspringen, ist sich der Handelsdelegierte sicher. Neu gewählt wird erst wieder am 1. Oktober 2018. (APA, 22.7.2016)

  • Inflation, Haushatsdefizit und Arbeitslosigkeit in Brasilien sind hoch, die Wirtschaftsleistung dafür rückläufig. Die Hoffnungen ruhen nun auf den Olympischen Spielen.
    foto: alkis konstantinidis

    Inflation, Haushatsdefizit und Arbeitslosigkeit in Brasilien sind hoch, die Wirtschaftsleistung dafür rückläufig. Die Hoffnungen ruhen nun auf den Olympischen Spielen.

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