Taubeneigroße Hagelkörner in Waidhofen an der Thaya

22. Juli 2016, 06:35
37 Postings

Zwei Hallen einer Textilfirma unter Wasser – Überflutete Straßen und Keller in Deutschland

Waidhofen/Thaya – Am späten Donnerstagabend ist ein schweres Hagelunwetter über dem Bezirk Waidhofen an der Thaya niedergegangen. "Mit orkanartigen Windgeschwindigkeiten, schwerem Hagelschlag und enormen Regenmengen zog das Unwetter eine Spur der Verwüstung", schreibt das Bezirksfeuerwehrkommando Waidhofen an der Thaya. 257 Feuerwehrleute standen bis in die Morgenstunden im Einsatz, verletzt wurde niemand.

In Dobersberg standen Keller unter Wasser, Dächer wurden abgedeckt oder durch die taubeneigroßen Hagelkörner zerstört. In der Gemeinde Kautzen standen zwei Hallen einer Textilfirma unter Wasser. In Karlstein wurden mehrere Bäume durch den Sturm entwurzelt, einer fiel auf ein geparktes Auto. Stellenweise lag eine bis zu 35 cm dicke Schicht aus Hagelkörnern.

In Schlader wurde ein Schwimmbecken komplett zerstört. Die Landesstraße 59 von Karlstein Richtung Waidhofen musste für den gesamten Verkehr gesperrt werden. Auch kam es vorübergehend zu Stromausfällen. Das wahre Ausmaß der Verwüstungen werde sich jedoch erst im Laufe des Freitages zeigen, insbesondere seien auch Schäden in der Landwirtschaft zu erwarten.

Schwere Unwetter in Kärnten

Über Teilen Kärntens sind am Donnerstagabend schwere Unwetter niedergegangen. In Irschen (Bezirk Spittal/Drau) verursachte der Starkregen eine Hangrutschung. Es kam zu Verklausungen des Bachbettes und zu einer Vermurung des Ortsteils Glanz. Rund 80 Personen mussten aus ihren Häusern evakuiert werden. Verletzte sind keine zu beklagen, die Schadenshöhe ist noch nicht bekannt.

In Oberdrauburg (Bezirk Spittal/Drau) wurde nach Angaben der Landespolizeidirektion Kärnten die Drautalstraße (B100) durch eine Mure verlegt. Bis zur Beseitigung er Geröllmassen durch die Freiwillige Feuerwehr blieb die Straße gesperrt.

Gewitterfront in der Steiermark

Ein Wohnhaus im weststeirischen St. Stefan ob Stainz ist in der Nacht auf Freitag nach einem Blitzeinschlag niedergebrannt. Unwetter haben auch in anderen Regionen der Steiermark für Einsätze der Feuerwehren gesorgt: In Gratwein nördlich von Graz sowie in Knittelfeld mussten Unterführungen und Keller ausgepumpt werden, teilten die Einsatzkräfte mit.

Die Gewitterfront zog über weite Teile der Steiermark und brachte unzählige Blitze und Sturmböen. In Knittelfeld und Sachendorf (Bezirk Murtal) mussten mehrere Keller ausgepumpt werden. Ein Auto blieb in einer mit Wasser vollgelaufenen Unterführung stecken und auf der S36, der Murtal Schnellstraße, waren fielen Bäume auf die Fahrbahn. Vor einem Mehrparteienhaus stürzte ein Baum auf ein abgestelltes Moped und eine Stromleitung war auf die L515, die Gaalerstraße, gefallen.

Kurz vor Mitternacht schlug ein Blitz in St. Stefan in ein Wohnhaus ein. Die Feuerwehrleute mussten Leitungen zu einem halben Kilometer entfernten Hydranten sowie zu einem 700 Meter entfernten Teich legen. Nach rund drei Stunden gab es "Brand aus", das Gebäude wurde schwer beschädigt.

In Gratwein und Judendorf-Straßengel (Bezirk Graz-Umgebung) mussten die Feuerwehrleute ebenfalls gegen Mitternacht ausrücken und Wasser aus Kellern und Unterführungen pumpen. In der Früh wurden die Einsatzkräfte noch einmal gerufen, da ein vom Sturm beschädigter Baum drohte, auf ein Wohnhaus zu stürzen.

Überflutete Straßen und Keller in Deutschland

Örtlich schwere Regenfälle haben am Donnerstagabend auch in Teilen Deutschlands zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt. Im nordrhein-westfälischen Mechernich in der Eifel überflutete das Wasser Straßen und Keller. "Wir hatten einzelne Straßenzüge, die bis zu 1,5 Meter unter Wasser gestanden haben", sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Abend.

Mehr als eine Stunde lang hatte es heftig geregnet, so dass kleinere Bachläufe anschwollen und über die Ufer traten. Wohnhäuser und Ladenlokale liefen voll Wasser. Vermutlich als Folge des Unwetters stürzte ein Baum auf ein Fahrzeug. Feuerwehrleute befreiten eine schwer verletzte Person.

Im Osten von Hamburg und dem angrenzenden Oststeinbek liefen Keller voll. Teils wurden Straßen überflutet und kleine Brücken überspült, Gullys sprudelten über. Auch in Niedersachsen rückten die Feuerwehren zu zahlreichen Einsätzen aus – vor allem im Süden des Landes und in der Lüneburger Heide.

Im Süden von Bayern stürzten vereinzelt Bäume auf Straßen und Stromleitungen. Eine Brücke einer Bundesstraße in Niederbayern wurde überschwemmt, auch in Oberbayern war eine Bundesstraße nicht passierbar. Ein Hangrutsch versperrte eine Kreisstraße, ein Blitzschlag führte auch zu Verzögerungen im Münchner S-Bahn-Verkehr. (APA, 22.7.2016)

  • Die Hagelkörnerschicht in Waidhofen/Thaya war bis zu 35 Zentimeter hoch.
    foto: apa/bfk waidhofen a. d. thaya/stefan mayer

    Die Hagelkörnerschicht in Waidhofen/Thaya war bis zu 35 Zentimeter hoch.

  • Schwere Unwetter zogen am späten Donnerstagabend über das Waldviertel.
    foto: apa/bfk waidhofen a. d. thaya/stefan mayer

    Schwere Unwetter zogen am späten Donnerstagabend über das Waldviertel.

Share if you care.