Pleitegeier kreist über Rudolf Steiners Waldorfschule

21. Juli 2016, 17:52
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Die Waldorfschule Wien-West ist insolvent. Mit der Zahl der Schüler sanken die Fördermittel

Wien – Gartenbau und Eurythmie als ein fester Bestandteil des Lehrplans, zwei Fremdsprachen vom ersten Schuljahr an, Theaterspielen als Abschlussarbeit, kein Sitzenbleiben, keine traditionellen Noten: Rudolf Steiners Waldorfschulen bilden in Österreich rund 2.500 Kinder und Jugendliche aus. Es ist die zweitgrößte private Schulinitiative des Landes.

Finanziell steht sie aber auf teils wackeligen Beinen. 80 Prozent der Kosten stemmen in der Regel die Eltern. Öffentliche Zuschüsse sind begrenzt und liegen im Ermessen der Gemeinden und Länder. Vieles steht und fällt mit dem Schulgeld der angemeldeten Kinder.

Im Fall des Rudolf Steiner Vereins 1993 wurde es wirtschaftlich zu eng. Seine freie Waldorfschule Wien-West schlitterte in die Insolvenz, wie der Alpenländische Kreditorenverband bestätigt. Die Verbindlichkeiten bei 70 Gläubigern belaufen sich auf 600.000 Euro. 309 Schüler und Kindergartenkinder sind betroffen, ebenso 46 Mitarbeiter, darunter 27 Lehrer.

Zu wenige Schüler

In Kindergarten und Schule sei die Zahl der Kinder gesunken, erzählt Vereinsobfrau Claudia Türk, was zu geringeren Zuschüssen geführt habe, während die Personalkosten stabil blieben. Dazu kamen laut AKV kumulierte Verluste aus den Vorjahren.

Türk ist jedoch zuversichtlich, den Betrieb fortführen zu können: Fixkosten würden reduziert – Eltern hätten Hilfe zugesichert. Gläubigern wird im Zuge einer Sanierung eine Quote von 20 Prozent in Aussicht gestellt.

Dem Vernehmen nach ist unabhängig der aktuellen Pleite eine Klage des Waldorfbunds gegen die Republik Österreich in Vorbereitung: Stein des Anstoßes: die aus seiner Sicht geringe Förderung. (Verena Kainrath, 21.7.2016)

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