Flechten-Entdeckung: Biologielehrbücher müssen umgeschrieben werden

22. Juli 2016, 08:00
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Forscher entdecken neuen Partner bei Flechten: einen Hefepilz

Graz/Wien – Symbiosen sind eine alte Errungenschaft der Evolution. Die entsprechende Bezeichnung gibt es aber erst seit 1878, als der deutsche Naturforscher Anton de Bary den Begriff für "das Zusammenleben ungleichnamiger Organismen" prägte. Als Paradebeispiel galten schon damals Flechten – eine Symbiose einer Alge mit einem Pilz, wie man damals gerade erst entdeckt hatte.

Seitdem ist dieses Zusammenleben biologisches Lehrbuchwissen. Das muss nun wohl ergänzt werden, wie ein internationales Forscherteam unter Grazer Beteiligung im Fachblatt "Science" schreibt. Toby Spribille (Uni Graz und University of Montana) hat mit Kollegen aus den USA und Schweden nämlich dank neuer genanalytischer Methoden zeigen können, dass einige der häufigsten Flechtenarten der Welt einen weiteren Partner im Bunde haben, nämlich einen Hefepilz.

Der Evolutionsbiologe wollte eigentlich herausfinden, warum von zwei eng verwandten und in Montana weit verbreiteten Flechten eine für Säugetiere giftig ist, die andere nicht. Nachdem er bei einer genauen Analyse der DNA auf die Hefe gestoßen war, begann er mit seinem Team systematisch Flechten aus der ganzen Welt zu untersuchen. Tatsächlich fand sich der zweite Pilz in häufig auftretenden Arten rund um den Globus, von der Antarktis bis Japan.

"Die Erkenntnis erschüttert unser grundlegendes Wissen über Flechten", so Spribille: "Wir müssen von Neuem untersuchen, wie diese Lebewesen entstehen und wer welche Funktionen in der Gemeinschaft übernimmt." (tasch, 22.7.2016)

  • Letharia vulpina, auch bekannt als Wolfsflechte, hat einen Symbiosepartner, von dem man bisher nichts wusste.
    foto: tim wheeler

    Letharia vulpina, auch bekannt als Wolfsflechte, hat einen Symbiosepartner, von dem man bisher nichts wusste.

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