Corbyn-Herausforderer Owen Smith: Harte Wochen für den altbewährten Neuanfänger

Kopf des Tages21. Juli 2016, 17:06
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Smith will Jeremy Corbyn den Labour-Vorsitz abspenstig machen. Er muss sich auf einen harten Kampf gefasst machen

Was Owen Smith sich vorgenommen hat, gleicht einem Himmelfahrtskommando. Erst vor einem Jahr haben Anhänger der britischen Labour-Partei den langjährigen linken Hinterbänkler Jeremy Corbyn zum Parteichef gemacht. Nun will der Waliser Smith ihn entthronen. "Jeremy hat viel Interessantes zu sagen, aber er kann nicht führen", sagt der 46-Jährige.

Bis Ende September will Smith die überwiegend noch immer Corbyn-begeisterte Basis umstimmen und die Urwahl gewinnen. Eine Bestätigung des Amtsinhabers, glaubt der Herausforderer, werde die Spaltung der 116 Jahre alten Arbeiterpartei nach sich ziehen.

Ein Mann aus unterschiedlichen Flügeln

Selbst wohlwollende Parteifreunde räumen dem gelernten Journalisten aber nur geringe Chancen ein. Dabei geht es um nichts weniger als die zukünftige Ausrichtung der wichtigsten Oppositionspartei. Corbyn verweigerte unter den Labour-Premiers Tony Blair und Gordon Brown jeden Kompromiss, verharrten als Leiter kleiner Protestgruppen.

Smith gehörte zu jenen Angehörigen unterschiedlicher Parteiflügel, die nach Corbyns Wahl im September aus Pflichtgefühl dessen Schattenkabinett beitraten. Doch die Unruhe wuchs schnell. Dass der langjährige EU-Skeptiker Corbyn gegen die Parteilinie verstieß und sich im EU-Referendumskampf nur halbherzig engagierte, brachte das Fass zum Überlaufen: 80 Prozent der Abgeordneten entzogen ihm das Vertrauen. Corbyn blieb dennoch im Amt, schließlich habe er den Rückhalt der Basis.

Ein halber Neuanfang

Nun ist der Waliser Smith der einzige Herausforderer Corbyns. Die andere Kandidatin, Angela Eagle, zog sich aus dem Machtkampf zurück – sie sah sich gegen Smith im Nachteil. Der verheiratete Vater dreier Kinder lässt sich den Wählern besser als "Neuanfang" verkaufen als Eagle, die einst Teil des Blair-Teams war. Auch wenn das nur bedingt stimmt: Immerhin ist Smith der Sohn eines glänzend vernetzten Professors für walisische Geschichte, war nach seiner BBC-Karriere persönlicher Berater des Wales-Ministers im Kabinett Blair und PR-Mann für Pharmafirmen.

Er will das Klimaschutzministerium wiedererrichten, wünscht sich die Renationalisierung der Eisenbahn und ein Investitionsprogramm. In der EU-Politik spricht er vage von einem zweiten Referendum. Dass eine Zuwendung zur EU dann ebenso unwahrscheinlich ist wie eine Abkehr der Labour-Basis von Corbyn heute, das muss Smith wissen. Auf ihn warten harte Wochen. (Sebastian Borger aus London, 21.7.2016)

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    foto: apa / afp / geoff caddick
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