DNA verrät, wie Madagaskar vor menschlicher Besiedelung ausgesehen hat

23. Juli 2016, 20:27
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Genanalysen an Lemuren geben Aufschluss über die frühere Waldbedeckung der afrikanischen Insel

Hamburg – Madagaskar ist Heimat einer vielfältigen und einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, die insbesondere den dichten Wäldern zu verdanken ist. Mit der Besiedlung der Insel durch den Menschen und der damit einhergehenden Abholzung sind auch zahlreiche Arten in ihrer Existenz bedroht. Nun hat ein internationales Forscherteam anhand genetischer Untersuchungen von Lemuren rekonstruiert, wie die Waldbedeckung der Insel vor der Ankunft von Menschen aussah.

Bisher ging man davon aus, dass Madagaskar vor der Besiedlung durch Menschen vollständig von Wald bedeckt war. Für ihre Studie untersuchten die Wissenschafter deutscher, amerikanischer und madagassischer Universitäten genetische Charakteristika von Mausmakis – kleinen Primaten aus der Teilordnung der Lemuren, die ausschließlich auf Madagaskar vorkommen. Wenn zum Beispiel Arten nur in Wäldern vorkommen, spiegeln genetische Ähnlichkeiten zwischen einzelnen, in unterschiedlichen Waldgebieten der Insel lebenden Populationen nicht nur wider, ob einmal ein Austausch zwischen ihnen stattgefunden hat, sondern auch, wann sie voneinander isoliert wurden.

Mosaik aus Wald und Grasland

"Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass das zentrale Hochland Madagaskars vor der Ankunft von Menschen auf der Insel nicht nur aus Wald bestand, sondern vielmehr aus einem Mosaik von Waldinseln und Grasländern, das sich ständig veränderte", erklärt Jörg Ganzhorn von der Universität Hamburg. Es stellt ein Bindeglied zwischen den Regenwäldern im Osten und den Trockenwäldern im Westen der Insel dar, das sich im Lauf der Jahrtausende gewandelt hat.

Während feuchterer Perioden dehnten sich die Wälder aus und ermöglichten den Tieren Wanderungen quer über die Insel, in trockeneren Episoden zog sich der Wald zurück und die Verbindung zwischen Regen- und Trockenwäldern riss ab. Dadurch entwickelten sich Pflanzen und Tiere in den verschiedenen Gebieten zu unterschiedlichen Arten.

Die im Erbgut von Mausmakis dokumentierten Schwankungen der vergangenen 500.000 Jahre zeigen, dass die jüngsten Arten offenbar vor etwa 55.000 Jahren entstanden sind. Wie die Forscher im Fachmagazin PNAS schreiben, markiert dieser Zeitpunkt den Beginn der letzten Trockenperiode vor Ankunft von Menschen auf der Insel. Andere Tiere wie die riesigen Elefantenvögel und gorillagroße Lemuren, die damals auf Madagaskar lebten, überstanden diese Periode nicht und starben aus. (red, 23.7.2016)

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