"Die zweite Wirklichkeit": FPÖ setzt auf einen Wahlkampf im Internet

22. Juli 2016, 11:45
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Die größte Wirkung will das Team von Norbert Hofer mit dem kleinsten Budgetanteil erzielen: Ganz zentral im Wahlkampf ist die Kommunikation über Facebook

Wien – Herbert Kickl, Generalsekretär der FPÖ und Wahlkampfchef des freiheitlichen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer, feilt gerade am Budget für die kommenden Monate bis zum Wahltag am 2. Oktober. In den ersten beiden Wahlgängen hat die FPÖ 4,2 Millionen Euro ausgegeben. Das Budget für die kommende, alles entscheidende Wahlauseinandersetzung könnte etwas bescheidener ausfallen, sagt Kickl im Gespräch mit dem Standard, man kann von einem Betrag von unter zwei Millionen Euro ausgehen. Es soll jedenfalls keine Materialschlacht werden, wie Kickl sagt. "Im ersten Wahlgang mussten wir Norbert Hofer erst bekanntmachen, das war eine recht lange Phase, das ist jetzt nicht mehr nötig." Auch die Themen seien bereits bekannt.

Entscheidendes Tool

Die Aufschlüsselung des Budgets hat die FPÖ bereits entschieden, wie Kickl verrät. 40 Prozent, das ist der mit Abstand größte Teil, gingen in die Plakatwerbung. 25 Prozent entfielen auf klassische Inserate, 20 Prozent seien für das Verteilermaterial reserviert, das seien in erster Linie Broschüren und Give-aways wie Kugelschreiber. Zehn Prozent würden für den Wahlkampftross und die Busse ausgegeben, entscheidend sei aber der letzte und kleinste Budgetposten: Fünf Prozent seien für Social-Media-Aktivitäten vorgesehen. "Das ist für uns ein ganz entscheidendes Tool, mit dem wir unsere Anhänger am besten erreichen", sagt Kickl.

Unglaubliche Dynamik

Keine andere Partei habe den Nutzen von Facebook so klar erkannt wie die FPÖ, "da sind wir den anderen Parteien um Jahre, wenn nicht um Jahrzehnte voraus". Auf etablierte Medien sei die FPÖ in ihrer Kommunikation nach außen gar nicht mehr angewiesen, die FPÖ habe hier ihre eigenen Kanäle entwickelt. Mit der Facebook-Seite von Parteichef Heinz-Christian Strache erreiche man mittlerweile knapp 400.000 Anhänger. Die Facebook-Seite von Kandidat Hofer hat 250.000 Fans, "da ist eine unglaubliche Dynamik drin", sagt Kickl: In den ersten 24 Stunden nach dem Ergebnis des ersten Wahlgangs, bei dem Hofer deutlich in Führung lag, seien 40.000 zusätzliche Fans hinzugekommen.

FPÖ TV umgemodelt

Und schließlich gibt es die Facebook-Seite der Partei. "Wir haben den Kanal von FPÖ-TV umgemodelt und ganz auf das Internet abgestellt." 75.000 Follower sind es bereits auf dem Facebook-Account der FPÖ. "In einer guten Woche erreichen wir über diese drei Seiten fünf bis zehn Millionen Nutzer", berichtet Kickl, "das ist mehr als alle Sendungen des ORF zusammen, das spielt für uns eine ganz zentrale Rolle."

Der harte Kern im Kommunikationsbüro seien sieben Leute, im Wahlkampf kämen noch etliche hinzu. Allein das Kontrollieren der Postings sei extrem aufwendig. Kickl: "Wenn du einmal durch bist, musst du gleich wieder von oben neu anfangen."

Holpernde Videos

Dass selbstgedrehte Videos wie jenes, in dem Hofer seinen neuen Hund präsentiert, manchmal holpern, sei durchaus ein Erfolgsrezept: "Das ist echt, nicht steril, solche Soft Facts kommen bei den Leuten sehr gut an." Und es sei günstig in der Produktion, da stehe keine Agentur dahinter.

Im Kommunikationsbüro der FPÖ werde der Content selbst hergestellt, es werden Videos produziert und Interviews verbreitet. Die Grundsatzrede von Strache zur Asylpolitik hätten zwei Millionen Leute im Internet abgerufen. Kickl: "Das ist eine zweite Wirklichkeit, eine ganz massive Konkurrenz zu den herkömmlichen Medien." Dennoch setze die FPÖ auch auf die etablierten Medien. "Die bieten uns mit Interviews und den Konfrontationen eine gute Bühne – und das gratis." (Michael Völker, 22.7.2016)

  • Auf die etablierten Medien ist die FPÖ nicht mehr angewiesen: Die FPÖ kommuniziert mitterlweile auf eigenen Kanälen mit ihrer Anhängerschaft.
    foto: apa/neubauer

    Auf die etablierten Medien ist die FPÖ nicht mehr angewiesen: Die FPÖ kommuniziert mitterlweile auf eigenen Kanälen mit ihrer Anhängerschaft.

  • Der FPÖ-Kandidat im Internet: Norbert Hofer präsentiert auf Facebook die  Familien, den Hund und die Katze.
    foto: facebook

    Der FPÖ-Kandidat im Internet: Norbert Hofer präsentiert auf Facebook die Familien, den Hund und die Katze.

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