Jedermann ruft die Sponsoren

21. Juli 2016, 14:58
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Die großen Festspiele sind auf private Mittel angewiesen

Salzburg/Bregenz – Die Festspielsaison ist eröffnet. Auch ohne amtierenden Bundespräsidenten. Und so sicher wie der Ruf des Todes nach dem Jedermann kommt üblicherweise auch jener der Festspielorganisatoren nach mehr finanzieller Zuwendung.

Doch nicht so 2016. Sowohl am Bodensee als auch am Domplatz steht man heuer ganz gut im Saft. 2015 gab es zum ersten Mal seit langem wieder eine Erhöhung der Subventionen. Das sei "nicht selbstverständlich", sagt Helga Rabl-Stadler, Salzburger Festspielpräsidentin seit 1995.

Denn die öffentlichen Gelder werden nach einem gesetzlich festgelegten Verteilungsschlüssel vergeben, der an sich gleichbleiben soll: Bei den 16 Millionen (ein Plus von 2,5 Millionen im Vergleich zu 2014), die Salzburg nun erhält, kommen 40 Prozent vom Bund, 20 vom Land, 20 von der Stadt Salzburg und 20 aus einem Tourismusförderungsfonds, der aus Unternehmersteuern gefüllt wird.

Die Schwierigkeit sei, dass Erhöhungen immer gemeinsam erfolgen müssen, sagt Rabl-Stadler: "Es war oft so, dass zwar einer Fördergeber erhöhen wollte, aber andere nicht. Am Ende gab es dann eben gar keine Aufstockung."

Fixkosten decken

Auch die knapp sieben Millionen für Bregenz teilen sich nach einem Subventionsschlüssel auf: 40 Prozent Bund, 35 Land, 25 Stadt. 2016 konnte man am Bodensee mit einem 1,25-Millionen-Euro-Plus planen. "Das reicht gerade um unsere Fixkosten zu decken", sagt der kaufmännische Direktor Michael Diem.

Wie in allen Kulturbetrieben seien es vor allem die mit der Inflation steigenden Personalkosten, die den Budgetplanern Sorgen bereiten. Ab 2018 brauchte man daher die nächste Erhöhung.

Eine Valorisierung (automatische Inflationsanpassung) würde helfen, aber die ist Zukunftsmusik. Beide Festspiele können auf 70 bis 80 Prozent Eigendeckungsgrad verweisen – ein guter Wert. Ein wichtiger Teil der Umsätze sind hier wie dort Sponsoringeinnahmen: 1,3 Millionen sind das im Schnitt in Bregenz, 9,4 in Salzburg. Laut Rabl-Stadler mehr als in allen Bundestheatern zusammen.

Einladungen weniger angenommen

Trotzdem werde es schwieriger. Beide Festspielmacher sind sich darin einig, dass durch den "Anfütterungsparagrafen" Sponsoring erheblich erschwert wurde. Tickets müssen von den meisten Sponsoren gekauft werden. Da Einladungen immer weniger angenommen werden, hätten die aber Probleme, ihre Karten anzubringen. "Wir versuchen daher, andere Pakete zu schnüren – Meet and Greet mit Künstlern, aber auch Managementseminare. Wir wollen unseren Sponsoren schon auch Sachen bieten, die am Markt nicht zu kaufen sind", sagt Diem.

Freudig erwartet wird das Okay vom Finanzamt zur steuerlichen Absetzbarkeit von Kulturspenden. "Es war ja absurd, dass Deutsche und Amerikaner, die den Festpielen Geld geben, dieses in ihren Ländern absetzen können und Österreicher das nicht dürfen", sagt Rabl-Stadler. Mit dem heuer wirksam werdenden Gemeinnützigkeitspaket wird dies nun möglich. Michael Diem geht davon aus, dass das Spendenaufkommen dadurch um 50 bis 70 Prozent steigen könnte. (stew, 21.7.2016)

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