ORF-Wahl: Betriebsratsobmann Moser nennt Lorenz-Kritik "Chuzpe"

21. Juli 2016, 14:28
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"Meister der Pleiten-, Pech- und Pannenproduktionen" – Ex-Programmdirektor scheint sich "mit der niederösterreichischen Realverfasstheit abgefunden" zu haben

Wien – Kritik an Ex-ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz kommt von ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser. Lorenz hatte in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" eine Neuaufstellung des ORF, einen Wechsel an der ORF-Spitze und mehr Mut in den Informationssendungen gefordert. Moser wies die Kritik am Donnerstag zurück.

"Es entbehrt nicht einer gewissen Chuzpe, dass just jener Mann, der sich vor seiner Pensionierung als ORF-Programmdirektor einen untadeligen Ruf als Meister der Pleiten-, Pech- und Pannenproduktionen erworben hat – siehe die abgestürzte TV-Serie 'Mitten im 8en' aber auch andere sogenannte 'Programmformate' – , jetzt als visionärer Kritiker und Retter des ORF und seines Programms auftritt", meinte Moser. Ebenso interessant sei, wie Lorenz, der selbst einmal ORF-Landesdirektor war, seine eigene Rolle und die seiner damaligen Kollegen beurteilt. Lorenz hatte die ORF-Landesstudios als "Filialbetriebe der Provinzpolitik" bezeichnet.

Sarkasmus

Sarkastisch reagierte der ORF-Betriebsrat auch auf Lorenz' Quasi-Wahlempfehlung für Finanzdirektor Richard Grasl bei der kommenden ORF-Wahl am 9. August. "Angesichts der Kandidatur von Richard Grasl für den Posten des Generaldirektors – oder ist es eher eine Form der Altersmilde? – scheint sich Herr Lorenz auch mit der niederösterreichischen Realverfasstheit abgefunden zu haben. 'Giebelkreuzler' war noch einer der harmloseren Ausdrücke, den er in einem Gespräch mit mir vor einigen Jahren benutzt hat", so Moser.

Dass die fünf ORF-Betriebsräte im 35-köpfigen ORF-Stiftungsrat zu viel Einfluss hätten, wie Lorenz moniert hatte, ließ der Zentralbetriebsratsobmann ebenfalls nicht gelten. Tatsächlich müssten es weit mehr sein, denn in dieser Frage sei das ORF-Gesetz eng ans Aktienrecht gebunden, erklärte Moser. "Das heißt auf zwei Eigentümervertreter im Aufsichts-/Stiftungsrat kommt ein Betriebsrat. Bei 30 Eigentümervertretern, und so sieht es im Stiftungsrat aus, würde das also fünfzehn Betriebsräte bedeuten. Leider haben wir nur elf Zentralbetriebsräte im ORF, wir werden uns aber schon zu helfen wissen." (APA, 21.7.2016)

Nachlese

Ex-Programmdirektor Lorenz fordert Neuaufstellung des ORF – "Wird ein Medium nicht strikt geführt, verschlampt es" – Frühstücks-TV "scheißteuer"

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