Daniel Toth, der Totti vom Neusiedler See

Porträt21. Juli 2016, 13:34
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Für die Admira und ihren Kapitän läuft es schon längere Zeit wie am Schnürchen – egal ob in Bundesliga, Cup oder im internationalen Geschäft wie zuletzt gegen Kapaz. Toth: "Wo ein Wille, da ein Weg"

Sie nennen ihn "Totti" und es begann in Neusiedl am See. Nicht das Surfen oder Segeln war seine Leidenschaft, sondern das Spiel mit dem Ball. "Ich war nie begabt für eine andere Sportart", sagt Daniel Toth, der nach dem Abgang von Christoph Schösswendter zu Rapid die Kapitänsschleife des FC Admira Wacker Mödling überstreift.

Skifahrer und harter Arbeiter

Wenn der Absolvent der Handelsakademie Neusiedl – "Mir war extrem wichtig, dass ich die Ausbildung abschließe" – mal gerade nicht dem Ball hinterherrennt, dann hört er gerne Musik, surft im Internet, oder frönt dem Wintersport auf zwei Latten. "Skifahren mag ich auch, auch wenn das bei den Vereinen wegen der Verletzungsgefahr nicht gern gehört wird. Aber ich hau' mich eh gemütlich die Pisten runter." Richtig krachen lässt es der Burgenländer hingegen im Beruf. Er bezeichnet sich als harten Arbeiter. "Ich möchte nach der Karriere sagen können, dass ich alles aus mir rausgeholt habe." Dazu passt auch sein Lebensmotto: "Wo ein Wille, da ein Weg."

Einen sensationellen Weg hat er zuletzt mit seinen Kollegen beschritten, als sie in der abgelaufenen Bundesliga-Saison zur allgemeinen Überraschung auf Platz vier stürmten und sich für das internationale Geschäft qualifizierten. "Wir wurden wegen fehlender Routine als Fixabsteiger gehandelt, haben aber alles reingehauen, wurden vom Trainerteam Ernst Baumeister/Oliver Lederer perfekt eingestellt, haben Herzblut gezeigt und mit Leidenschaft agiert. Mit den Erfolgen haben vor allem die jungen Spieler viel Selbstvertrauen getankt, was sehr wichtig war."

Präsentationsbühnen

Auch vor dem Ligastart deutet nichts darauf hin, warum die Admiraner die Erfolgsstraße verlassen sollten. Die Südstädter sind in dieser Saison noch ungeschlagen. Alle Vorbereitungsspiele wurden gewonnen. So gab es Siege gegen FK Cukaricki Belgrad (2:1), Kapfenberg (3:0) und gegen den russischen Erstligisten Terek Grosny (1:0), im Cup war SV Dornbirn (4:1) kein Stolperstein und in der Europa-League-Qualifikation musste man in vier Spielen nur ein Remis hinnehmen und zwar das 1:1 in St. Pölten gegen Spartak Myjava. Ansonsten gab es auch nur volle Erfolge: 3:2 bei Myjava sowie 1:0 zuhause und 2:0 auswärts gegen den FC Kapaz Ganja am Mittwoch.

Die Südstädter überzeugten gegen Kapaz wie schon in der ersten Runde vor allem im Auswärtsspiel. "Das heutige Spiel war sehr schwer, aber wir haben verdient gewonnen", freute sich Admira-Trainer Oliver Lederer, der überrascht war, dass die Gastgeber erneut sehr defensiv agierten. "Erst am Ende des Spiels haben sie begonnen, mehr zu attackieren." Toth sagte schon vor dem Spiel: "Das Hinspiel war sehr gut von uns, wir haben Spiel und Gegner kontrolliert. Wir können die Hürde meistern."

Für die Niederösterreicher geht das internationale Abenteuer damit weiter, in der nächsten Runde wartet mit Slovan Liberec der Meisterschaftsdritte aus Tschechien. Das Hinspiel findet am 28. Juli in der BSFZ Arena statt (21.05 Uhr), das Rückspiel steigt sechs Tage später (18 Uhr) in Liberec.

"Er wird noch sehr viele Spiele für uns bestreiten"

Für Toth und seine Kollegen eine weitere Möglichkeit sich zu präsentieren. Er selbst kann mit 29 Jahren schon auf eine gewisse Routine vertrauen. Wenn er wie zuletzt gegen Kapaz Ganja und Spartak Myjava nur zweimal in der Startaufstellung stand, dann beunruhigt ihn das nicht. Grund dafür sei einfach nur die taktische Ausrichtung, der er eben manchmal zum Opfer falle. Trainer Oliver Lederer dazu: "Er ist jemand, der sein persönliches Ego nicht über die Mannschaft stellt. Er wird noch sehr viele Spiele für uns bestreiten."

Der zentrale Mittelfeldspieler mit der Rückennummer 10 verfügt über ein präzises, sicheres Passspiel und war daher schon unter Trainer Dietmar Kühbauer ein wichtiger Baustein im Konzept der Admira. Von einem Vorbild wie Xavier Hernández i Creus, kurz Xavi, der viele Jahre mit Andrés Iniesta beim FC Barcelona Regie führte, kann man sich natürlich etwas abschauen. "Mir hat imponiert, dass er mit dem Auge immer einen Schritt voraus war, immer einen Tick schneller war als der Gegner", sagt der Burgenländer, den sie seit seiner Zeit in Ried "Totti" nennen.

Hochs und Tiefs

Der Totti vom Neusiedlersee hat von der U8 aufwärts alle Stationen des Nachwuchsfußballs durchlaufen, zuerst in seiner Geburtsstadt, später in Eisenstadt, wo er bis zur U18 im BNZ Burgenland kickte. Von dort ging es 2003 in die Regionalliga zum SC Parndorf und 2005 wieder zurück nach Neusiedl. 2007 holte ihn der damalige Ried-Trainer Helmut Kraft ins Innviertel, ehe er 2009 bei der Admira unterschrieb. Seither hat er viel miterlebt, Hochs und Tiefs. Zweimal stand er mit den Südstädtern im Cupfinale, 2009 unterlag man damals noch als Erste-Liga-Vertreter der Austria erst nach Verlängerung 1:3, heuer setzte es gegen die Salzburger Bullen eine schmerzhafte 0:5-Niederlage. "Es hat viele schöne Momente gegeben und ich will noch was erreichen mit dem Verein. Warum sollte es nach zwei Cupfinalteilnahmen nicht einmal mit einem Titel klappen? Im Fußball ist viel möglich!"

Auf und ab

Eine Mission possible war der Bundesligaaufstieg 2011/12, ein kleines Wunder der überraschende Platz drei, der die Qualifikation für den Europacup bedeutete. Verletzungen warfen den filigranen Spielmacher damals im besten Fußballeralter aber immer wieder zurück. Zwischen Sommer 2012 und Sommer 2015 beschränkten sich seine Einsatzminuten auf weniger als ein Viertel des Möglichen. Neben muskulären Problemen machte ihm vor allem eine langwierige Hüftverletzung zu schaffen. "Damals habe ich gelernt geduldig zu werden und positiv zu denken. Nun kann ich anderen Spielern helfen, genauso stark wieder zurückzukommen, weil ich weiß, wie man mit einer Verletzung umgeht".

Wer weiß, vielleicht ist ein Transfer ins Ausland vor allem wegen der lange Zeit lädierten Hüfte gescheitert. Sein Lieblingsklub gleich nach der Admira, Arsenal London, hat jedenfalls noch kein Interesse bekundet. Gedanken an einen Auslandstransfer hat er aber noch nicht gänzlich verworfen. "Sag niemals nie!" Dazu müsse es aber auch im Team weiter gut laufen, denn dann "kommen auch die Einzelspieler besser zur Geltung".

Ligaschmankerl unter Pappeln

Zeit zur Präsentation wird es neben internationalen Einsätzen auch in der an diesem Wochenende anhebenden Bundesliga-Saison geben. Das Ziel soll zwar noch nicht einmal intern kommuniziert worden sein, doch Toth ahnt, wohin es gehen soll: "Die Saison sollte eine Bestätigung der letzten sein. Wir haben das Zeug dazu, das haben wir schon bewiesen. Ein Vorteil könnte sein, dass wir nur wenige Abgänge hatten und daher eingespielt sind."

Er selbst hat seinen Vertrag um zwei Jahre bis 2018 verlängert, könnte noch heuer die 200-Spiele-Marke (22 Treffer) bei der Admira knacken. Am Sonntag (19 Uhr) geht es zum Ligaauftakt im Pappelstadion gegen den SV Mattersburg, der zuletzt so etwas wie ein Lieblingsgegner war. Die letzten drei Partien im Burgenland wurden ohne Gegentreffer gewonnen. In den Duellen der abgelaufenen Saison netzten die Admiraner insgesamt zehn Mal gegen Mattersburg, so oft wie gegen keinen anderen Verein. Toth: "Ein Vorteil könnte sein, dass wir bereits im Spielrhythmus sind. Ich bin guter Dinge, dass uns ein guter Start gelingt." (Thomas Hirner, 21.7.2016)

  • Daniel Toth (li.) im EL-Quali-Einsatz gegen Erik Daniel (Myjava).
    foto: apa/helmut fohringer

    Daniel Toth (li.) im EL-Quali-Einsatz gegen Erik Daniel (Myjava).

  • Oder im Bundesligaeinsatz gegen Johannes Aigner (Altach). Trainer Oliver Lederer über den Zehner der Admira: "Er ist jemand, der sein persönliches Ego nicht über die Mannschaft stellt."
    foto: apa/expa/sebastian pucher

    Oder im Bundesligaeinsatz gegen Johannes Aigner (Altach). Trainer Oliver Lederer über den Zehner der Admira: "Er ist jemand, der sein persönliches Ego nicht über die Mannschaft stellt."

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