Klimawandel könnte Quecksilberabbau in der Arktis bremsen

21. Juli 2016, 12:18
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Österreichischer Biologe startet zur 20. Expedition, um Schwermetallbelastung in arktischen Seen Kanadas zu untersuchen

Wien – Die gute Nachricht ist: In den meisten arktischen Seen Kanadas nimmt die Quecksilberbelastung in Fischen seit 2005 ab. Die schlechte Nachricht allerdings lautet nun: Dieser Trend könnte durch den Klimawandel gebremst werden. Bei höheren Temperaturen kann sich nämlich mehr Quecksilber in der Nahrungskette anreichern, wie Günter Köck vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erklärt.

Anfang der 1990er-Jahre hat Köck einen Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und der Anreicherung von Schwermetallen wie Quecksilber in Seesaiblingen aus Tiroler Hochgebirgsseen festgestellt. Ob sich dies auch im hohen Norden zeigt, untersuchen österreichische und kanadische Forscher seit 1997 Jahr für Jahr in rund 30 Seen auf sechs kanadischen Arktisinseln.

High-Arctic-Expedition startet

Köck und sein Team starten am Montag zur 20. Expedition. Das Projekt "High-Arctic" ist damit nach Angaben des Biologen das am längsten laufende Arktis-Projekt Österreichs und insgesamt eines der längsten und umfangreichsten zu diesem Themenbereich.

Schwermetalle wie Quecksilber gelangen aus den Industriegebieten im Süden über die Atmosphäre in die Seen. Das metallische Quecksilber wird vor allem von Bakterien in den Gewässern und umliegenden Feuchtgebieten in das hochgiftige Methylquecksilber umgebaut. Diese organische Form des Schwermetalls gelangt sehr leicht in die Zellen von Lebewesen und reichert sich in der Nahrungskette an.

"Die Langzeitdaten zeigen, dass in den meisten Seen die Quecksilberkonzentrationen in den Fischen seit etwa 2005 kontinuierlich abnehmen", sagte Köck. In einigen Seen sinkt der Quecksilbergehalt in den Fischen erheblich schneller als die in selben Zeitraum ebenfalls abnehmenden Konzentrationen des Schwermetalls in der Atmosphäre und im Sediment der Seen.

"Wir haben festgestellt, dass die Geschwindigkeit der Abnahme in den Fischen vom Nährstoffgehalt der Seen abhängt", so Köck. In nährstoffarmen Seen sinkt die Konzentration deutlich rascher als in nährstoffreicheren Gewässern, wo der Quecksilbergehalt der Fische im Vergleichszeitraum sogar zunahm.

Mehr Nährstoffe, mehr Quecksilber

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass in nährstoffarmen Seen von den Mikroorganismen weniger Methylquecksilber "produziert" wird und sich damit auch in der Nahrungskette nicht so stark anreichert. Hier kommt aber die Klimaerwärmung ins Spiel: "Durch die höheren Temperaturen tauen wesentlich größere Gebiete im Einzugsbereich der Seen auf", sagte Köck. Das führe zu einem höheren Eintrag von Nährstoffen vor allem in Form gelösten Kohlenstoffs in die Seen, wovon wiederum die Mikroorganismen profitieren. Sie können unter den besseren Lebensbedingungen mehr Quecksilber in die organische Form umbauen – "was die Abnahme der Quecksilberbelastung in den Seen bremsen könnte", so Köck.

Bei anderen Schadstoffen zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Konzentrationen von "Altlasten" wie PCB und DDT in den Seesaiblingen sinken zwar aufgrund der Reduktion der globalen Emissionen. Dagegen steige die Belastung der Fische mit PBDE-Verbindungen signifikant. Diese bromhaltigen organischen Chemikalien (Polybromierte Diphenylether) werden weltweit häufig als Flammschutzmittel eingesetzt und gelten als hormonwirksam und das Nervensystem schädigend. (APA, red, 21.7.2016)

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