Facebooks neues Hauptquartier macht viele Nachbarn obdachlos

21. Juli 2016, 11:05
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In Menlo Park herrscht eine drastische Immobilienkrise, die besonders die ärmste Bevölkerungsschicht trifft

Facebook geht es gut: Mit einem Marktwert von geschätzten 350 Milliarden Dollar ist der IT-Konzern das sechstgrößte Unternehmen der Welt. Das will man dieser auch zeigen: Facebook baut momentan zwei neue Bürogebäude, die das Unternehmensgelände um mehr als einen Hektar erweitern. Dazu soll ein 200 Zimmer großes Hotel kommen. Die Gesamtzahl aller Arbeitskräfte in Menlo Park, dem kalifornischen Städtchen, in dem Facebook ansässig ist, steigt so um bis zu zwanzig Prozent. Prinzipiell könnte man meinen, dass die Anwesenheit eines solchen Megakonzerns gut für den Standort ist. Doch ärmere Bevölkerungsschichten leiden enorm unter Facebook.

Mietpreise schießen in die Höhe

So treiben all die IT-Arbeiter, die bei Facebook tätig sind, die Mietpreise in die Höhe. Schon bei der Ansiedlung von Facebook 2011 kaufte ein Immobilienhai vierzig Prozent aller Mietshäuser, um diese dann zu teureren Preisen gezielt Facebook-Mitarbeiter anzubieten. Lehrer, Mitarbeiter im öffentlichen Dienst oder Angestellte von NGOs wie Tameeka Bennet können sich das nicht leisten. Die 29-jährige Bennett, die in Menlo Park aufgewachsen ist, musste aus ihrem Haus ausziehen. Ihr täglicher Weg in die Arbeit, der über 60 Kilometer lang ist, sei die Hölle, schildert sie dem Guardian. Insgesamt pendelt Bennett nun täglich mehr als zwei Stunden – jeweils hin und retour.

Facebook legt Fonds auf

"Diese Unternehmen wie Google, Apple oder Facebook geben sich als mildtätige Erfinder, die Gutes tun, während sie in ihrem eigenen Hintergrund eine Krise auslösen, die drastische Konsequenzen für benachteiligte Gesellschaftsschichten hat", fasst der Guardian die Kritik zusammen. Es ist zwar nicht so, dass Facebook gar nichts dagegen unternimmt, für viele sind die Initiativen aber noch viel zu wirkungslos. Insgesamt muss Facebook 6,3 Millionen Dollar zahlen, um die Folgen seiner Expansion abzudecken. Außerdem will der Konzern eine Studie über Wohnbedingungen in Menlo Park finanzieren und mit mehreren Fonds in der Gesamthöhe von weiteren rund 4 Millionen Dollar neue Wohnungen für "Arbeiter", etwa Lehrer, bereitstellen.

Familie "verlieren ihr Zuhause"

Doch das Problem ist massiv. Insgesamt sollen laut Schätzungen rund 70.000 Arbeiter in schlecht bezahlten Branchen mehr als 75 Kilometer ins Silicon Valley pendeln. Sie tragen damit auch durch den verbrauchten Sprit oder die Tickets für den Nahverkehr die Kosten selbst. Seit 2011 ist der Mietpreis in Palo Alto, wo Google ansässig ist, um rund 89 Prozent gestiegen. "Ihr seid dafür verantwortlich, dass Familien ihr Zuhause verlieren", sagte Bennett bei einer Versammlung in Menlo Park zu Facebook. (red, 21.7.2016)

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