Eklat am Parteitag: Cruz verweigert Trump die Unterstützung

21. Juli 2016, 05:56
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Führende Republikaner in Rage – Mike Pence liefert solide Antrittsrede als Trumps Vize

Cleveland – Es war das große Fragezeichen im Vorfeld des dritten Tages der GOP-Convention in Cleveland: Würde Ted Cruz, Senator aus Texas, Trumps verbale Angriffe aus Zeiten der Vorwahlen vergessen machen, um die Partei zu einen?

Mittwochabend gratulierte Cruz Trump auf der Bühne der Quicken Loans Arena zwar zu seinem Erfolg, eine offene Unterstützung behielt er sich jedoch vor. Mehr noch: Seine Rede, die sich gänzlich um den Begriff der Freiheit drehte, schloss Cruz mit den Worten "Wählt nach eurem Gewissen" und griff damit einen weitverbreiteten Slogan der Trump-Gegner auf. Das Publikum in der Halle reagierte verärgert, die Delegierten aus New York brachen ob dieses Affronts in einen "We want Trump"-Chor aus. Buhrufe und Applaus wechselten einander ab.

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Donald Trump, der geborene Showman, kam just in diesem Moment samt Entourage in die Arena, um Cruz die Aufmerksamkeit zu stehlen. Auch am dritten Tag des Parteitags konnte der "soon-to-be" Kandidat nicht widerstehen, Teil des Abendprogramms zu sein. Cruz und seine Frau mussten unterdessen von den Securitys aus der Halle hinausbegleitet werden. Hochrangige Republikaner sprachen von einer "Schande" und bezeichneten Cruz als "Betrüger". Die Emotionen unter den Anwesenden gingen auch nach Ende des offiziellen Programms noch hoch.

Weg vom Skript

Newt Gingrich nutzte anschließend die Gunst der Stunde geschickt und ging zu Beginn seiner Rede von seinem Skript ab. Er verwies darauf, dass Cruz vom Publikum missverstanden worden sei, als er gesagt habe: "Wählt nach eurem Gewissen den Kandidaten, der die Verfassung hochhält." Laut Gingrich habe damit nur ein Kandidat gemeint sein können: Donald Trump. Den Großteil seiner Ansprache widmete Gingrich anschließend den Terrorbedrohungen durch Islamisten und der Gefahr eines Atomkriegs.

Mike Pence gab sich bei seinem bisher wichtigsten Auftritt anfangs bescheiden; er sagte nicht nur einmal, dass er nie damit gerechnet habe, von Trump als Vize ausgewählt zu werden. Bezeichnend: "Ich hätte erwartet, dass ich diesen Abend hier mit meinen Freunden aus Indiana verbringen werde." Pence musste sich im Gegensatz zu Trump erst dem Publikum vorstellen und von seinem Werdegang und seiner Familie erzählen. Anschließend drehte er rhetorisch richtig auf, im Gegensatz zu den vorangegangenen Auftritten, bei denen er im Schatten Trumps gestanden war. Mit einem Augenzwinkern sprach Pence über den "Outsider" Trump und "Secretary of a Status quo" Clinton. Die Veränderung, die mit einem Präsidenten Trump käme, sei "huge". Der Chef quittierte die Rede seines Stellvertreters mit Applaus und einem kurzen Schulterklopfer – selbstverständlich auf der Bühne der Arena. (Teresa Eder, 21.7.2016)

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