Der junge Mond kollidierte mit einem Protoplaneten

20. Juli 2016, 19:01
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Aus diesem bisher weit unterschätzten Zusammenstoß vor 3,8 Milliarden Jahren ging das Mare Imbrium hervor

Providence – Die Frühzeit unseres Sonnensystems war eine reichlich ungemütliche Epoche: Im Verlauf des Großen Bombardements vor 4,1 bis 3,8 Milliarden Jahren sahen sich die jungen Himmelskörper einem andauernden Beschuss durch übriggebliebenes Planetenbaumaterial ausgesetzt. Während auf der Erde geologische Umwälzungen die Wunden, die diese Impakts schlugen, mit der Zeit auslöschten, blieben sie auf unserem Trabanten weitgehend erhalten.

Eine besonders gut sichtbare Narbe aus dieser Ära stellt das Mare Imbrium, das Meer des Regens, auf der Nordhälfte des Mondes dar. Das über 1.100 Kilometer große, fast kreisrunde Becken ist das Ergebnis eines Asteroideneinschlags, der erst gegen Ende des Großen Bombardements stattgefunden hat. Nun sind US-Wissenschafter dahintergekommen, dass man den Verursacher des Mare Imbriums bislang um Größenordnungen unterschätzt hat.

Unterschätzter Brocken

Wie Pete Schultz von der Brown University in Providence, Rhode Island und seine Kollegen im Fachjournal "Nature" berichten, hatte der betreffende Brocken einen Durchmesser von mindestens 250 Kilometer, war also rund doppelt so groß und zehnmal so massiv, wie frühere Szenarien vermuten ließen. "Unsere Berechnungen zeigen, dass das Mare Imbrium von einem wahrhaft enormen Objekt geschaffen wurde – groß genug jedenfalls, um es mit Recht als Protoplaneten zu bezeichnen", meint Schultz.

Zu der neuen Einschätzung kamen die Astronomen durch Laborexperimente und eine detaillierte Analyse der Region rund um das Mare Imbrium, während ältere Ergebnisse großteils auf Computersimulationen beruhten. Die Untersuchung verhilft den Forschern nicht nur zu einer besseren Erklärung für einige zuvor rätselhafte geologische Besonderheiten des Mare Imbrium. Sie zeigt auch, dass gegen Ende des Großen Bombardements offenbar immer noch einige Asteroiden von protoplanetaren Dimensionen durch das Sonnensystem taumelten. (tberg, 20.7.2016)

  • Einige Furchen und Einschnitte am Rand des Mare Imbrium gaben den Astronomen bisher Rätsel auf. Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass sie auf einen Einschlagskörper zurückgehen, den man bisher für deutlich kleiner gehalten hat.
    foto: nasa/northeast planetary data center/brown university

    Einige Furchen und Einschnitte am Rand des Mare Imbrium gaben den Astronomen bisher Rätsel auf. Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass sie auf einen Einschlagskörper zurückgehen, den man bisher für deutlich kleiner gehalten hat.

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