Arbeitsmigration: Profiteure im Westen

Kommentar20. Juli 2016, 17:34
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Das Ziel kann nur heißen, weiter zu investieren

Verlassen junge Menschen auf der Suche nach Arbeit ihre Heimatländer im Osten und Südosten Europas, fügen sie diesen damit wirtschaftlichen Schaden zu. Laut IWF wirkt Arbeitsmigration für Länder wie Ungarn oder Rumänien als Wachstumsbremse. Wasser auf die Mühlen von Migrationskritikern? Nicht wirklich.

Dass die Abwanderung gut ausgebildeter Junger die Produktivität eines Landes mindert und die Sozialsysteme wegen der ungünstigeren Altersverteilung belastet, ist hinreichend bekannt. Es ist aber nun einmal so, dass diese Leute in ihrer Heimat kaum Chancen haben. Wo es keine Arbeit gibt, bringt Abwanderung kurzfristig sogar Entlastung: Das Lohnniveau steigt, der Staat hat weniger Arbeitslose zu versorgen – für Länder mit hoher Arbeitslosigkeit, wie etwa Kroatien, ein wahrer Segen. Dasselbe gilt für die Geldtransfers der Auswanderer in die Heimat.

Langfristig zieht es viele Migranten ohnehin zurück in die Heimat. Mit im Gepäck haben sie Know-how und internationale Kontakte. Eine Rückkehr wird umso interessanter, je früher der Osten wirtschaftlich Anschluss findet.

Dass sich mit dem Aufholprozess gute Geschäfte machen lassen, weiß man nirgendwo besser als in Österreich, sind die größten Profiteure der Ostöffnung doch Exportunternehmen im Westen. Das Ziel kann nur heißen, weiter zu investieren. Ein Aufschwung in Osteuropa bedeutet schließlich auch weniger Lohndumping hierzulande. (Simon Moser, 20.7.2016)

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