Kassenärztemangel: Ärgerlich und teuer

Kommentar20. Juli 2016, 17:31
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Man verhandle und komme bitte rasch zu einem tragbaren Ergebnis

Wer hat nun wieder angefangen? Der Hauptverband, der der Ärztekammer vorwirft, die Bewilligung von Ausbildungsstätten für Jungärzte zu blockieren? Oder die Ärztekammer, die dunkel prophezeit, den Krankenkassen würden sehr bald schon "die Ärzte ausgehen"?

Aus Sicht der Patienten ist egal, wer mit dem sommerlichen Aufflammen eines uralten Streits begonnen hat. Es ist nur ärgerlich – und teuer, dass hier beide Seiten jahrelang auf der Stelle treten. Der Hauptverband kann sich nicht darauf ausruhen, dass sich die Zahl der Kassenärzte eh "stabil" nach oben entwickle. Stabil ist zu wenig. Wenn die Spitäler entlastet werden sollen, sind mehr niedergelassene Ärzte notwendig. Und die muss man mit attraktiveren Verträgen locken. Viele Entwicklungen im medizinischen Bereich werden von den Kassen überhaupt ignoriert, etwa Schilddrüsen- und Schmerztherapie, von Kindermedizin ganz zu schweigen.

Umgekehrt argumentiert die Ärztekammer, viele junge Ärzte seien nicht mehr an einem Kassenvertrag interessiert, weil sie Kontrollinstrumente wie das Mystery-Shopping ablehnen. Das kann aus Patientensicht erst recht nicht hingenommen werden. Hier geht es ums Geld der Beitragszahler. Schließlich das Lamento von der überbordenden Bürokratie: Das ist nur noch ärgerlich. Man verhandle und komme bitte rasch zu einem tragbaren Ergebnis – und das ohne Drohgebärden in der Öffentlichkeit. (Petra Stuiber, 20.7.2016)

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