Ein Weg, zwei Busanbieter und zwei Fahrkartenpreise

21. Juli 2016, 09:00
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Die Busfahrt von Wien nach Waidhofen/Thaya kostet nicht gleich viel

Wien – Überraschungen hält der Kauf eines Fahrscheins im Verkehrsverbund Ost Region (VOR) nicht nur für Pensionisten parat. Auch der gemeine Tagespendler kann Wunder erleben. Nina C. etwa fährt zwei- bis dreimal pro Woche von Waidhofen an der Thaya nach Wien-Praterstern. Sie benützt dabei die Direktverbindung mit dem Bus und erwirbt – je nach Zahl der Arbeitstage – Einzelfahrt- oder Wochenkarten.

Da es an der Einstiegsstelle im Waldviertel keine Ticketmaschine gibt, kauft die Teilzeitkraft die Fahrkarte beim Fahrer des Autobusses. Und hier ist sie mit einem Phänomen konfrontiert: Tut sie das in der Früh im Omnibus des mit dem Liniendienst beauftragten Busunternehmens Frank-Bus, kostet die Zeitkarte 45,90 Euro. Ordert sie dieselbe Art Fahrschein auf der Rückfahrt im ÖBB-Postbus, zahlt sie plötzlich 48,20 Euro.

Der Unterschied sind nicht nur 2,30 Euro – so viel kostet zufällig ein Einzelfahrschein der Wiener Linien -, sondern auch ein kleiner Zusatz auf dem billigeren Ticket: Als Zielort steht dort "KZG Wien". "Dieses Ticket ist natürlich billiger", klärt VOR-Pressesprecher Georg Huemer, "denn es gilt nur bis zur Kernzonengrenze, ist also ideal für Passagiere mit einer gültigen Fahrkarte für Wien."

Das Problem: Die Kundin hatte auch im ÖBB-Postbus lediglich ein Ticket bis Stadtgrenze verlangt. Bezahlen musste sie aber die teurere Wochenkarte inklusive "Regionalverkehr", die zur Nutzung aller S-Bahnen und Regionalbusse in Wien berechtigt, obwohl sie das letzte Wegstück ab Praterstern immer zu Fuß geht.

ÖBB-Sprecher Michael Braun erklärt die unterschiedlichen Tarife mit "der Preisanpassung des VOR per 6. Juli". Dass sich der ÖBB-Postbus ein Körberlgeld macht, wie Frau C. argwöhnt, bestreitet er. Man sei an die "Tarifexklusivität des VOR" gebunden. (ung, 21.7.2016)

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