Der Park als Wohnzimmer: "Am Schauplatz"-Reportage "Kampf im Park"

Ansichtssache21. Juli 2016, 05:29
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Julia Kovarik und Alexandra Augustin waren in der Venediger Au ("Afghanen-Park"), am Handelskai und Praterstern und rund um den Floridsdorfer Bahnhof unterwegs

Wien – Wiener Parks und öffentliche Plätze sind für jugendliche Migranten häufig Wohnzimmer und Lebensmittelpunkt zugleich. "Parks sind oft der einzige Ort, wo sie hinkönnen – und auch dort haben sie kaum Ruhe und liefern sich tagtäglich mit der Polizei einen Spießroutenlauf", sagen Julia Kovarik und Alexandra Augustin zum STANDARD.

foto: orf

Für die "Am Schauplatz"-Reportage "Kampf im Park" (Donnerstag, 21.05 Uhr, ORF 2) haben die ORF-Journalistinnen vor allem mit afghanischen und tschetschenischen Jugendlichen gesprochen. Zwischen diesen Gruppen kommt es immer wieder zu Konflikten. Parks und die Möglichkeit, dort seine Zeit zu verbringen, sind für alle wichtig, doch nicht überall sind sie gerne gesehen. Polizeikontrollen sind an der Tagesordnung.

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Der 15-jährige Emran – er flüchtete ohne Eltern aus Afghanistan nach Wien – bringt es auf den Punkt: "Ich soll nicht zum Handelskai, ich soll nicht zum Praterstern, ich soll nicht zum Reumannplatz. Wohin soll ich also?" Zu Hause fehle oft der Platz.

"Viele Afghanen berichteten von überfüllten Asylheimen, die Tschetschenen davon, dass die Familien oft auf engstem Wohnraum zusammenleben", sagen Kovarik und Augustin. Dazu komme, dass die meisten sehr wenig Geld, keine Beschäftigung und wenig familiären Halt hätten.

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Viele tschetschenische Jugendliche erzählen, dass ihre Väter in den zwei Kriegen gefallen seien. "Ihnen fehlen die männlichen Vorbilder. Und das in einer Kultur, in der traditionell ältere Männer das Sagen haben. Es braucht Vertrauenspersonen, die ihnen auf wohlwollende Art Grenzen setzen", sagt Kovarik.

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Für die Reportage waren die Journalistinnen in der Venediger Au ("Afghanen-Park"), am Handelskai, am Praterstern und auch rund um den Floridsdorfer Bahnhof unterwegs. Der Skaterpark dort sei Treffpunkt der Tschetschenen.

Überrascht hat sie vor allem die Offenheit der Jugendlichen. "Wir dachten, dass es sehr schwierig werden würde. Aber das Gegenteil war der Fall: Alle wollten mit uns sprechen und haben sich darüber gefreut, dass sich endlich jemand für ihr Leben interessiert hat. Sie, die es gewohnt sind, sonst nur in negativen Schlagzeilen präsent zu sein."

Angedacht ist, die jetzt interviewten Jugendlichen in einigen Monaten oder auch später nochmals zu besuchen, um zu sehen, was aus ihnen geworden ist. (Astrid Ebenführer, 21.7.2016)

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