Ephesos-Grabungen in der Türkei nicht beeinträchtigt

20. Juli 2016, 16:33
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ÖAI-Direktorin Ladstätter betrachtet etwaige Bedenken als "ziemlich unwichtig" angesichts der Gesamtsituation

Ephesos – Die Geschehnisse rund um den versuchten Militärputsch in der Türkei und die daran anschließende "Säuberungswelle" haben vorerst zu keinen Behinderungen bei den vom Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) geleiteten Ausgrabungen in Ephesos geführt. Das erklärte Grabungsleiterin Sabine Ladstätter. Die Stimmung vor Ort sei allerdings auch aufgrund der nun verkündeten Einschränkungen für Uni-Mitarbeiter gedrückt.

Die Meldungen, dass im Ausland tätige türkische Wissenschafter zurückbeordert werden sollen und umgekehrt Universitätsangestellten Reisen ins Ausland "bis auf Weiteres" untersagt wurden, sei in den Teams, denen auch viele türkische Forscher angehören, heute aufmerksam registriert worden. "Natürlich ist man in so einer Situation sehr angespannt", sagte Ladstätter. Was das allerdings konkret bedeutet, könne noch nicht eingeschätzt werden.

"Ziemlich unwichtig"

In der Gegend rund um die Ausgrabungsstätte sei es jedenfalls in den vergangenen Tagen "absolut ruhig" geblieben. Am Tagesablauf der wissenschaftlichen Arbeiten habe sich daher auch nichts geändert. Ob sich aus den jüngsten Ereignissen Konsequenzen für die seit 1895 stattfindenden österreichischen Grabungen ergeben könnten, sei angesichts der aktuellen Entwicklungen "ziemlich unwichtig", sagte die ÖAI-Direktorin, die die archäologische Arbeit in Ephesos seit 2010 leitet.

Nun gehe es vor allem darum, dass in der Türkei ein Prozess in den Gang kommt, in dem die unterschiedlichen Gruppierungen wieder in einen Dialog treten und damit begonnen werde "diese enormen Gräben wieder zuzuschütten". Die heimischen Forscher seien jedenfalls "sehr integriert und uns ist es ein großes Bedürfnis, diese Integration weiterzuleben. Wir sind mit dem Land auch sehr stark verbunden und man macht sich natürlich einfach Sorgen über ein Land, wo man den Eindruck hat, dass die Menschen aufgehört haben, miteinander zu reden." Trotz der aktuellen Situation glaubt Ladstätter "an die unheimliche Kraft und das unheimliche Potenzial dieses Landes". (APA, 20. 7. 2016)

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