Kleine felsige Welten mit Potenzial entdeckt

20. Juli 2016, 19:02
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Forscher haben dank Kepler hundert neue Welten präsentiert – einige davon könnten sich als durchaus lebensfreundlich erweisen

Washington/Wien – Exoplanetenforscher leben derzeit in geradezu paradiesischen Zeiten: Weltraumteleskope und leistungsfähige Optiken bei terrestrischen Instrumenten haben ihnen in den letzten zehn Jahren eine Flut von Neuentdeckungen beschert: Mehr als 3.000 bestätigte Exoplaneten sind derzeit bekannt, Tausende weitere Kandidaten warten noch auf eine zweite Meinung. Aber so angestrengt wir auch mit Hightechaugen ins All starren, der exoplanetare Jackpot blieb bisher aus: Ein echter Zwilling der Erde war noch nicht dabei, immerhin aber ein paar vielversprechende Cousins. Nun sind vier weitere dazu gekommen.

Den Löwenanteil an neuen Welten hat der Sternenjäger Kepler der Nasa beigesteuert, ehe er wegen Schäden an der Lagekontrolle im Mai 2013 seinen Dienst einstellen musste. Weniger als ein Jahr später konnte das Weltraumteleskop dank einer Neuausrichtung entlang der Ekliptik, die den Strahlungsdruck der Sonne ausgleicht, von den Toten zurückgeholt werden. Sein zweites Leben als Planetensucher erwies sich als mindestens ebenso produktiv: Wie die Nasa nun verkündet hat, konnte Kepler im Rahmen seiner K2-Mission 104 neue Welten ausfindig machen.

Klein und wohltemperiert

Vier davon, vereint in einem Planetensystem um den 181 Lichtjahre entfernten Zwergstern K2-72, zeigen durchaus erdähnliche Züge, wie internationale Forscher im "Astrophysical Journal" berichten: Sie sind zwischen 20 und 50 Prozent größer als unser Heimatplanet und dürften damit wohl hauptsächlich aus Fels bestehen. Zwei unter ihnen, K2-72c und K2-72e, erhalten von ihrem Stern, der nur halb so groß ist wie die Sonne, etwa die selben Energiemengen wie die Erde.

Damit reihen sich die beiden in die rund 20 Mitglieder umfassende Gruppe von bekannten kleinen Exoplaneten ein, auf deren Oberflächen zumindest theoretisch flüssiges Wasser existiert. Die meisten Astrobiologen nehmen dies als Grundvoraussetzung an, wenn sie von lebensfreundlichen Bedingungen sprechen. Zumindest derzeit spricht nichts dagegen, dass diese auf K2-72c und K2-72e vorhanden sind. "Trotz ihrer engen Umlaufbahnen ist es nicht ausgeschlossen, dass auf einem solchen Planeten Leben entstehen könnte", erklärt auch Hauptautor Ian J. M. Crossfield von der University of Arizona.

Kompakte Gashüllen

Mindestens ebenso spannend hinsichtlich der Suche nach einer "Zweiten Erde" ist die Entdeckung eines anderen Forscherteams in einem System, das nur 40 Lichtjahren entfernt liegt: Julien de Wit vom MIT in Cambridge, Massachusetts, und seine Kollegen haben zwei von drei erst vor kurzem erspähten, vielversprechenden Felsplaneten während eines seltenen doppelten Transits unter die Lupe genommen.

Wie sie im aktuellen "Nature" berichten, zeigten beide Welten beim Vorüberziehen an ihrem Zwergstern Trappist-1 solide Anzeichen für kompakte Atmosphären, wie sie auch die Erde oder die Venus besitzen. Das und die Tatsache, dass die beiden Exoplaneten in der habitablen Zone ihres Systems zuhause sind, macht sie zu idealen Zielobjekten für weitere Beobachtungen, finden die Astronomen.

Ob sie tatsächlich lebensfreundlich sind, werden aber erst in den kommenden Jahren leistungsfähigere Instrumente enthüllen können. Kein Wunder also, dass Exoplanetenforscher es nicht erwarten können, dass der Keplerersatz Tess (2017), der Hubblenachfolger James Webb Telescope (2018) und das European Extremely Large Telescope in Chile (2024) endlich einsatzbereit sind. (tberg, 20.7.2016)

  • Zwei felsige Exoplaneten um den Zwergstern Trappist-1 besitzen kompakte Atmosphären, wie eine Transitbeobachtung in diesem Jahr verriet. Obwohl sie nahe um ihren Mutterstern kreisen, könnten sie Durchschnittstemperaturen aufweisen, die flüssiges Wasser ermöglicht.
    illu.: nasa, esa, and stsci

    Zwei felsige Exoplaneten um den Zwergstern Trappist-1 besitzen kompakte Atmosphären, wie eine Transitbeobachtung in diesem Jahr verriet. Obwohl sie nahe um ihren Mutterstern kreisen, könnten sie Durchschnittstemperaturen aufweisen, die flüssiges Wasser ermöglicht.

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