Wenn sich Aktien mit Schuldpapieren vereinen

23. Juli 2016, 12:00
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Wer gut schlafen und essen will, greift zu Wandelanleihen. Die so genannten Convertibles verbinden die Elemente beider Welten

Wien – "Wer gut schlafen will, kauft Anleihen, wer gut essen will, kauft Aktien." Die im Jahr 1999 verstorbene Börsenlegende André Kostolany war zeitlebens um pointierte Formulierungen nie verlegen – ungeklärt ließ sie jedoch, wie Anleger gediegene Mahlzeiten mit erholsamer Nachtruhe kombinieren können. Einen möglichen Lösungsansatz stellen Wandelanleihen dar, welche eher langweilige Schuldverschreibungen mit einer kräftigen Prise Aktienmarkt aufpolieren.

Bei diesen auch als Convertibles bezeichneten Wertpapieren handelt es sich grundsätzlich um Anleihen, die anstatt des bloßen Anspruchs auf Tilgung mit einer Option zum Bezug einer Aktie, in der Regel vom selben Emittenten, ausgestattet sind. Der Kurs einer Wandelanleihe setzt sich also aus dem Wert beider Elemente, sprich der Anleihe sowie der Aktienoption, zusammen. Zumeist kann der Anleger während oder am Ende der Laufzeit entscheiden, ob er diese Option ausübt, falls sich der betreffende Aktienkurs zwischenzeitlich gut entwickelt hat. Verzichtet er darauf, wird die Anleihe normal zurückgezahlt.

Allrounder für jedermann

"Es ist eine Art Allrounder", erklärt Fondsmanager Stefan Schauer von der Deutschen Asset Management. Wenig laufenden Ertrag verspricht derzeit die Zinskomponente. Denn Convertibles sind wie normale Unternehmensanleihen mit einem Kupon ausgestattet, wobei dieser bei "Wandlern" zumeist geringer ausfällt. "Wichtiger als die Höhe des Kupons ist, dass die zugrunde liegende Aktie Aufwärtspotenzial hat", denn dort sieht Schauer die größeren Ertragsmöglichkeiten.

Wie jede Aktienoption ist auch das Wandlungsrecht mit einem Ausübungspreis versehen. Überspringt die Aktie diese Schwelle, erhöht sich auch der Wert des "Wandlers", da deren Ausübung profitabel geworden ist. Als Daumenregel machen Convertibles laut Schauer bei guter Entwicklung zwei Drittel der Aufwärtsbewegungen der Aktie mit, dank der dämpfenden Anleihenkomponente aber nur ein Drittel bei sinkenden Kursen. "Für Wandelanleihen ist es auch ein schlechtes Szenario, wenn der Aktienkurs lange Zeit nur seitwärts geht, da die Optionskomponente an Wert verliert", ergänzt Schauer.

Grundsätzlich hält er die Anlageklasse "querbeet für alle Investoren geeignet. Das Risiko ist zwischen Anleihen und Aktien angesiedelt." Im Umkehrschluss gilt dies auch für das Ertragspotenzial.

Japan besonders spannend

Als besonders interessante Region für Convertibles sieht Schauer derzeit Japan wegen der guten Kreditqualität und des "theoretisch günstig bewerteten" Aktienmarktes an. Historisch betrachtet preiswert, aber etwas teurer als in Japan würden Wandelanleihen aus den USA oder Europa gehandelt. "Wandelanleihen hinken heuer bei der Erholung gegenüber Aktien oder Unternehmensanleihen hinterher", erklärt Schauer. "Daher sehen wir Potenzial." (aha, 23.7.2016)

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