Herzinfarkt verhindern: Stent oder Bypass?

20. Juli 2016, 15:17
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Experten vermuten, dass zu häufig Stents gelegt werden obwohl eine Bypass-Operation ratsamer wäre. Welcher Eingriff die bessere Lösung ist, steht bisher nicht fest

In den vergangenen Jahren haben bei der Therapie von verengten Herzkranzgefäßen als Folge der koronaren Herzkrankheit (KHK) mehr und mehr die implantierten Gefäßstützen (Stents) die Bypass-Operation abgelöst. Experten vermuten allerdings, dass zu viele Stents auch bei komplexen Erkrankungen gelegt werden, die eigentlich eine Bypass-Operation erfordern. "Beide Behandlungsmethoden haben ihre Berechtigung. Jedoch muss man dabei je nach Alter und Begleiterkrankungen des Patienten die Risiken berücksichtigen. Um die beste, individuell abgestimmte Therapie zu finden, ist deshalb die Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Herzchirurgen in Herzteams der Kliniken unerlässlich", betont der Kölner Herzspezialist Erland Erdmann vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Bei einer koronaren Herzkrankheit verengen über Jahrzehnte schleichend und unbemerkt Fettablagerungen, Bindegewebe und Kalk die Herzkranzgefäße, die das Herz mit Blut versorgen. "Kritisch ist es, wenn das Herzkranzgefäß mehr als 70 Prozent verengt ist", erläutert Erdmann, "denn strengt sich der Betroffene körperlich an oder regt sich auf, gelangt zu wenig Sauerstoff in das Herz".

Das erste Warnsignal ist ein plötzlicher dumpfer Schmerz, der oft in die linke Schulter und den Arm ausstrahlt und typisch für die stabile Angina pectoris (lat. für Brustenge) ist, bei der der Schmerz in wenigen Minuten wieder verschwindet, wenn die Belastung endet. Die KHK kann jahrelang stabil bleiben, aber sie kann gefährlich werden, weil sie die Grundlage für den Herzinfarkt darstellt. Nimmt die Intensität oder Dauer der Angina-pectoris-Anfälle zu, ist sofort ein Internist oder Kardiologe aufzusuchen.

Feines Metallgeflecht

Kritische Verengungen (Stenosen) dehnen Herzmediziner mit einem Ballon auf. Dann schieben sie den Stent, ein feines Metallgeflecht, ausgehend von Leiste oder Handgelenk, über einen Führungsdraht (Katheter) in die Engstellen der Arterien. In der Fachsprache heißt der Eingriff kurz "PCI" für Perkutane Koronare Intervention. Moderne Stents sind meist mit Medikamenten beschichtet, die verhindern, dass Zellen einwachsen und die Gefäße erneut verstopfen. "In fünf bis sieben Prozent der Fälle gehen die Stents dennoch wieder zu", sagt Erdmann, "aber früher war es etwa die Hälfte".

Sind ein oder zwei Gefäße betroffen, empfehlen Experten die Verengungen mit Stents zu behandeln. Sind dagegen mehrere Gefäße in Mitleidenschaft gezogen oder sind sie diffus und langstreckig erkrankt, sind sie Domäne der Herzchirurgen. In einer Bypass-Operation (Bypass=Umgehung) überbrücken sie die Stenosen mit Adern oder Venen aus dem Körper. Sie nähen die gesunden Gefäße vor den Engstellen auf die Herzkranzgefäße auf, so dass das Blut ungehindert zum Herzen fließen kann. "Die Umgehung sorgt dafür, dass das Herz sicher mit Blut versorgt wird, die Patienten sind gesünder und haben eine bessere Prognose."

Doch nicht immer ist eindeutig, welcher Eingriff die bessere Lösung für den Patienten ist. So hängt es etwa bei einer Stenose des sogenannten Hauptstamms (Gefäßabschnitt der linken Herzarterie, bevor sie sich in zwei weitere Adern teilt) davon ab, an welcher Stelle sie ist. "Befindet sich die Verengung am Anfang oder Ende des Hauptstamms, ist eine Bypass-Operation ratsamer, weil dort das Implantieren des Stents schwieriger ist und zu Komplikationen führen kann", so Erdmann, "Ist sie dagegen in der Mitte dieses Gefäßstücks, dann ist ein Stent besser." Wenn auch das Risiko einer Operation etwas höher ist als der Katheter-Eingriff: In diesen Fällen ist ein Bypass häufig auf lange Sicht die ratsamere Option. Bei Patienten mit Diabetes ist unter bestimmten Umständen auch bei einer Eingefäßerkrankung eine Bypass-Operation der Stent-Behandlung vorzuziehen. (red, 20.7.2016)

Worauf Betroffene mit koronarer Herzkrankheit vor einem Eingriff unbedingt achten sollten, erläutern Experten in dem Ratgeber "Herz in Gefahr", der auf der Homepage der Deutschen Herzstiftung angefordert werden kann.

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    foto: wikipedia/patrick j. lynch, medical illustrator/(CC-Lizenz)
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