"Frühstück bei Monsieur Henri": Der alte Mann und die Moral des armen Mädchens

20. Juli 2016, 14:32
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In Ivan Calbéracs Kömodie trifft Altersstarrsinn auf jugendlichen Frohsinn

Die Freundlichkeit in Person sieht anders aus. Monsieur Henri zeichnet sich nämlich vorwiegend durch sein mürrisches Wesen aus, das seine Mitmenschen in der Regel von ihm fernhält. Misanthropie und Disziplin gehen bei ihm Hand in Hand, und wenn etwa eine Studentin wegen einer Annonce für ein freies Zimmer bei ihm an die Türe klopft, muss sie zuerst einmal einen entsprechenden Eignungstest absolvieren. Die Anzeige stammt natürlich auch nicht von ihm, sondern von seinem Sohn, der sich um den allein wohnenden Vater sorgt. Aber weil Gegensätze bekanntlich einander anziehen und Potenzial für eine Kinogeschichte dieser Art besitzen, bilden Constance und Henri ein ungleiches Paar.

Dass Regisseur Ivan Calbérac seine Komödie ganz auf Claude Brasseur in der Rolle des griesgrämigen Witwers ausrichtet, macht lange Zeit auch den Charme von Frühstück bei Monsieur Henri aus. Henris mit bärbeißigen Lebensweisheiten ausgestatteter Altersstarrsinn ("Das Schicksal ist eine Scheibe Scheiße auf Toast") hebt sich vom jugendlichen Frohsinn von Constance (Noémie Schmidt) richtig gut ab, wiewohl auch dieser bald auf dem Prüfstand steht: Constance soll, um ihr Zimmer behalten zu dürfen, sich an Henris Sohn Paul (Guillaume de Tonquédec) heranmachen, um dessen Treue zur unliebsamen Schwiegertochter zu untergraben.

Doch spätestens wenn Moral und Menschlichkeit die Oberhand gewinnen, geht Calbérac dann doch so einiges an Witz verloren. Dann wird auch die Wohngemeinschaft zur Besserungsanstalt, in der man angehalten ist, sich eine Scheibe fürs Leben abzuschneiden. (pek, 21.7.2016)

  • Ein Fragenkatalog für die Jugend kann nie schaden: Noémie Schmidt zieht bei Claude Brasseur ein.
    foto: thimfilm

    Ein Fragenkatalog für die Jugend kann nie schaden: Noémie Schmidt zieht bei Claude Brasseur ein.

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