Tödlicher Trend: Die gefährlichsten Selfie-Orte

Ansichtssache22. Juli 2016, 10:16
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Mit Smartphones bewaffnet wagen sich immer mehr Menschen an gefährliche Orte – für den perfekten Selbstschuss. Blogger wie Lee Thompson, der dafür auf die Jesus-Statue in Rio de Janeiro kletterte, oder James Kingston, der eine ganze Internetseite mit Selfies auf hohen Bauwerken füllt, treiben diese Art von Fotografie, im wahrsten Sinne des Wortes, auf die Spitze.

Selfies verboten

Einige Städte oder Länder ahnden diese Erinnerungsfotos bereits mit einem Bußgeld oder Gefängnisstrafen – aus den unterschiedlichsten Gründen. Knipst man sich etwa in Pamplona, Spanien, beim traditionellen Stierrennen und gefährdet so sich selbst oder die Menschen in seiner Umgebung, muss man laut Gesetz mit einer Geldstrafe bis zu 3.000 € rechnen. Spielern des iranischen Fußballverbandes ist es verboten, Selfies mit weiblichen Fans aufzunehmen – aus Sorge des Vorsitzenden des moralischen Komitees, Frauen könnten die Fotos dazu nutzen, politische Macht zu gewinnen. Und Großbritannien sieht für die überaus beliebten Selfies in Wahlkabinen theoretisch schon Haftstrafen von bis zu sechs Monaten vor.

Der Trend fordert Opfer

Immer öfter fallen auch Kunstwerke dem Selfie-Wahn zum Opfer. Bei einer Kletterpartie brachen in der italienischen Stadt Cremona zwei Touristen die Krone der "Statue der zwei Herkulesse", dem 300 Jahre alten Wahrzeichens der Stadt, ab. Auf demselben Weg wurde die 125 Jahre alte Statue des portugiesischen Königs Sebastian, ein Wahrzeichen der Stadt Lissabon, zerstört.

An besonderen Orten – das heißt meist: an besonders gefährlichen Orten – werden die Selfie-Macher immer häufiger selbst zum Opfer. Im Jahr 2015 bezahlten über 20 Personen (im laufenden Jahr bereits 12 Menschen) ein waghalsiges Selfie mit ihrem Leben – die Dunkelziffer ist mit Sicherheit höher. Zum Vergleich: Haiangriffe nahmen 2015 nur sechsmal ein tödliches Ende.

Von einigen besonders spektakulären Plätzen, die für Unfälle prädestiniert sind, tauchen in den Sozialen Netzwerken bereits massenweise Selfies auf. Etwa von diesen sechs.

foto: getty images/istockphoto/espiegle

Kjeragbolten, Norwegen

Der Kjeragbolten ist ein fünf Kubikmeter großer Monolith, der, eingeklemmt zwischen den Felswänden, rund tausend Meter über dem Lysefjord schwebt. Bei einer Wanderung zum Kjerag Plateau ist der Gesteinsbrocken ein Highlight, das schwindelfreie Touristen gerne besteigen. Doch der Sprung auf den Gesteinsbrocken allein ist schon ein Wagnis, ein unvorsichtiges Selfie darauf lebensgefährlich.

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foto: atlantide phototravel/corbis/stefano amantini

Devil's Pool, Sambia

Der Devil's Pool macht seinem Namen alle Ehre. Er ist ein natürliches Badebecken in 110 Metern Höhe am Rande der Viktoria-Fälle, einem breiten Wasserfall des Sambesi-Flusses an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia. Nicht nur vor den Regenbögen, die der feine Sprühnebel erzeugt, schießen Touristen gerne Fotos – waghalsige Schwimmer fotografieren sich am liebsten am Rand des Abgrunds.

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foto: getty images/istockphoto/dabldy

Pedra da Gavea, Brasilien

Am Stadtrand von Rio de Janeiro in der Floresta da Tijuca befindet sich der 842 Meter hohe Felsen Pedra da Gavea. Um ein außergewöhnliches Selfie von dort mitzunehmen, vollführen Touristen die waghalsigsten Kunststücke auf den Felsvorsprüngen. Manche lichten sich einhändig an der Klippe hängend oder am Abgrund liegend ab.

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foto: getty images/istockphoto/kumakuma1216

Awa'awapuhi Trail, Hawaii

Der Awa'awapuhi Trail auf der hawaiianischen Insel Kauai ist ein sehr ausgesetzter Wanderweg. Um den letzten Abschnitt bis zu einem kleinen Plateau zu bewältigen, müssen Wanderer auf einem schmalen, zerklüfteten Pfad balancieren, während die Hänge sowohl zur Linken, als auch zur Rechten steil abfallen. Der Ausblick über das Awa'awapuhi-Tal und die von Erosion gezeichnete Na-Pali-Küste lohnt sich – den Rücken sollte man dem Abgrund aber besser nicht zuwenden.

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foto: getty images/istockphoto/j-wildman

Trolltunga, Norwegen

Der Trolltunga, auf Deutsch "Die Trollzunge", ist ein zehn Meter langer keilförmiger Felsvorsprung, der rund 700 Meter über dem Stausee Ringedalsvatnet am Sørfjord horizontal aus dem Berg ragt. Selfie-Jäger wagen sich natürlich ganz nach vorne an die schmal zulaufende und nur wenige Zentimeter dicke Spitze des Felsens.

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foto: reuters/jon nazca

Caminito del Rey, Spanien

Bis zu 200 Meter über dem Abgrund verläuft der "Königspfad", ein drei Kilometer langer Wanderweg im Süden Spaniens entlang der Schlucht El Chorro. Einst war der Pfad baufällig und galt als der gefährlichste Wanderweg der Welt, mittlerweile wurde ein neuer Steg oberhalb des ursprünglichen angelegt und besser gesichert. Wer die Versicherung allerdings nicht nutzt, weil er beide Hände für das Smartphone braucht, macht dort wahrscheinlich das gefährlichste Selfie der Welt.

Links:

#NoSelfies: 9 Orte, an denen Selfies verboten sind

List of selfie-related injuries and deaths

Nachlese:

Mehr Tote bei Selfies als durch Hai-Attacken

Keine Trendwende: 2016 bisher 13 Tote bei Selfies

Elefant tötete in Nepal Lkw-Fahrer bei Selfie

(Marion Pertschy, 22.7.2016)

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