Ärzte: Genauere Diagnosen durch Zusammenarbeit

20. Juli 2016, 12:09
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Wenn ihre Diagnosegenauigkeit nicht zu unterschiedlich ist, können die Entscheidungen mehrerer Ärzte das Urteil eines einzelnen Mediziners weit übertreffen

Vier Augen sehen mehr als zwei, heißt es im Volksmund. Und das gilt auch für die Zusammenarbeit von Medizinern. Die kollektive Intelligenz mehrerer Ärzte kann – unter bestimmten Voraussetzungen – zu erheblich besseren medizinischen Diagnosen führen, berichtet nun ein internationales Team, darunter Forscher der Medizin-Uni Graz, im Fachjournal "Pnas". Voraussetzung dafür ist, dass ihre Diagnosegenauigkeit nicht zu unterschiedlich ist.

Anhand von Haut- und Brustkrebsdiagnosen konnten Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (beide Berlin) bereits in einer früheren Studie zeigen, dass sich ärztliche Entscheidungen verbessern lassen, wenn mehrere unabhängige Meinungen zusammengeführt werden. Nun hat das Forscherteam, darunter Iris Zalaudek von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Medizin-Uni Graz, untersucht, wie die Diagnosegenauigkeit der einzelnen Ärzte das kollektive Ergebnis beeinflusst.

"Wir haben untersucht, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, dass die Gruppe erfolgreicher ist als der beste Einzelne in der Gruppe", sagte Ralf Kurvers vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Denn der Ansatz "kollektiver Intelligenz" sei vielversprechend, wenn es um bessere Entscheidungen geht.

Genauigkeit ist Bedingung

Die Studie zeigt, dass sich die Ärzte hinsichtlich ihrer Diagnosegenauigkeit ähneln müssen. Nur so können die kombinierten Entscheidungen mehrerer Ärzte die Entscheidung des besten Arztes der Gruppe überflügeln. Ist die Diagnosegenauigkeit der Mediziner zu unterschiedlich, funktioniert das nicht. "Sind die individuellen Fähigkeiten innerhalb der Gruppe zu unterschiedlich, sollte man der Diagnose des besten Arztes innerhalb der Gruppe vertrauen", so Kurvers.

Dies sollte auch in der Praxis berücksichtigt werden – beispielsweise bei der unabhängigen Doppelbefundung einer Mammografie-Aufnahme durch zwei Ärzte, meinte Mitautor Max Wolf, der am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei über das Auftreten von kollektiver Intelligenz in der Natur forscht. Die Wissenschafter wollen nun herausfinden, welche Informationen in der Praxis notwendig sind, um möglichst schnell etwas über die Diagnosegenauigkeit eines Arztes herauszufinden. (APA, 20,7,2016)

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