Privatsender machen Kubas Staatssendern Konkurrenz

20. Juli 2016, 11:49
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Neue Programme von MiHabanaTV und Que Mania TV sind wenig bis nicht politisch und setzen voll auf Entertainment

Havanna – Kubas Fernsehen liegt fest in staatlicher Hand – und die Programme wirken furchtbar veraltet. Doch neue Sender machen ihnen nun Konkurrenz. Wer sie sehen will, braucht nur einen USB-Anschluss.

Unterhaltung per USB-Stick

Kuba hat seit kurzem Privatfernsehen – die Menschen in dem sozialistischen Land können es allerdings bisher nicht auf ihren heimischen Geräten empfangen. Viele sehen die Programme aber trotzdem, dank eines gut organisierten, informellen Netzwerks namens "Wöchentliches Paket". Es versorgt Kubaner im ganzen Land per USB-Sticks mit den Unterhaltungssendungen und sorgt so dafür, dass sie sich mit großer Geschwindigkeit von Hand zu Hand verbreiten.

Vor wenigen Monaten startete mit einer einzigen Sendung der Kanal MiHabanaTV (MeinHavannaTV). Die Gründerinnen Yenny Ramirez und Karelis Herrera hatten zuvor Markt und Publikum erforscht. Die Idee war ursprünglich, ein Jugendprogramm mit Entertainment-Themen zu machen, "die in den offiziellen Medien üblicherweise nicht vorkommen", erzählen die Macherinnen. Bald habe sich das Publikum aber auf ganze Familien ausgeweitet.

Kurz nachdem die zweite Sendung im "Wöchentlichen Paket" veröffentlicht worden war, kam eine Interview-Anfrage des spanischsprachigen US-Senders Univision aus Miami. "Da wurde uns bewusst, was für ein Projekt wir angestoßen hatten", sagt Ramirez.

Weitere Sendungen folgen

Nach vier Monaten sahen die beiden Frauen Bedarf an einer weiteren Sendung, die sich an Über-40-Jährige richtet. So wurde "Anejos de Cuba" (in Anspielung auf gereiften Rum etwa: Kubas ältere Jahrgänge) ins Leben gerufen. Darin werden auf der Karibikinsel bekannte Komiker, Sänger und Maler interviewt.

Es gibt außerdem den Kanal "Que Mania TV", den seine Macher international über YouTube bekannt machen wollen. Auch er bietet eine Sendung für Jugendliche und eine, die sich kubanischen Künstlern widmet, die im Ausland leben, "die aber auf der Insel sehr beliebt waren und weiterhin Kubaner sind", wie der Gründer Rolando Lorenzo Leon erklärt.

Tabuthema Politik, Showgeschäft im Vordergrund

Die neuen Alternativ-Programme halten sich von politischen Themen fern und konzentrieren sich stattdessen auf das Showgeschäft. Sie zeigen etwa Interviews mit Musikern wie der Gruppe Gente de Zona, die für Auftritte mit den Popstars Enrique Iglesias und Marc Anthony bekannt sind. Sie feiern den Geburtstag der Schauspielerin Rosa Blanco oder lassen den Rocker David Blanco von möglichen gemeinsamen Projekten mit US-amerikanischen Musikern erzählen.

Das kleine Team aus Kunsthochschul-Absolventen von MiHabanaTV nimmt die Videos in HD-Qualität mit zwei Foto-Kameras auf. Ein und dieselbe Person kümmert sich um Ton, Schminke, Requisiten und alles, was sonst noch anfällt. Alle zwei Wochen gibt es Treffen, bei denen besprochen wird, was sich in der Kunst- und Unterhaltungsszene Kubas tut. Oft sind es Zuschauer, die die Themen vorschlagen.

Alternativ- statt Privatfernsehen

Die Macher der Programme nennen ihr Angebot lieber Alternativ- als Privatfernsehen. Die kubanische Verfassung schreibt schließlich vor: "Massenmedien sind Eigentum des Staates oder der Gesellschaft und dürfen in keinem Fall Gegenstand von Privateigentum sein."

"Wir konkurrieren nicht mit dem kubanischen Fernsehen, das ist nicht unser Ziel", sagen die Gründerinnen von MiHabanaTV. "Wir konkurrieren mit den internationalen Fernsehsendern." Ausländische Sender sind auf der Insel nur in diplomatischen Vertretungen, Hotels oder ausländischen Firmen per Kabel zu sehen. Frei empfangbare Sender unterliegen der Kontrolle des Kubanischen Radio- und Fernseh-Instituts. Sie sind nicht gerade beliebt. Das Publikum bevorzugt Reality-Shows aus dem spanischsprachigen Ausland. Auch die gibt es auf USB-Sticks.

"Das kubanische Fernsehen ist verstaubt, und niemand kann verstehen, warum Sendungen, die in Form und Inhalt so veraltet sind, produziert werden", sagt Ramirez. "Wenn das kubanische Fernsehen durch kommerzielle Sendungen wie unsere angereichert und man uns Sendezeit verkaufen würde, dann würde vielleicht das Publikum wachsen", meint León von Que Mania TV. Das sei aber unwahrscheinlich. Es gehe nur darum, die Inspiration der Künstler zu kontrollieren. (APA, dpa, Guillermo Nova, 20.7.2016)

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