Viele Beschäftigte trauen weder Chefs noch Kollegen

20. Juli 2016, 10:43
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Unfaire Bezahlung und fehlende Chancengleichheit sorgen für schlechte Stimmung. Viele Mitarbeiter vertrauen weder Chefs noch Kollegen

Wien – Nimmt man eine Studie Beratungsorganisation EY ernst ist es um das Klima in den Unternehmen weltweit nicht zum Besten bestellt. Über die Hälfte der Beschäftigten setzt kein großes Vertrauen in die eigene Firma oder den direkten Vorgesetzten. EY hat knapp 10.000 Beschäftigte weltweit zum Thema befragt. Nur 46 Prozent geben an, ihrem Arbeitgeber zu vertrauen. Auch gegenüber Vorgesetzten und sogar den eigenen Kollegen überwiegt das Misstrauen: Weltweit schenken nur je 49 Prozent ihrem Chef und ihren Arbeitskollegen Vertrauen.

Für Elfriede Baumann, personalverantwortliche Partnerin bei EY Österreich durchaus Grund zur Sorge: "Das insgesamt geringe Vertrauen in Unternehmen und Vorgesetzte sollte zu denken geben. In einer unübersichtlichen Arbeitswelt mit globalem Wettbewerb und ständig zunehmender Dynamik müssen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowohl auf die Firma als auch auf die Vorgesetzten verlassen können. Wenn sie das nicht tun, ist das ein Alarmzeichen – insbesondere für das Unternehmen."

Unfaire Bezahlung

Als Hauptgründe für das fehlende Vertrauen in ihr Unternehmen geben Mitarbeiter weltweit vor allem eine generell unfaire Bezahlung (53 Prozent) sowie fehlende Chancengleichheit bei Bezahlung und Beförderung (48 Prozent) an. Ein Leadership-Defizit sehen 46 Prozent als Ursache, gefolgt von zu hoher Fluktuation sowie dem Versäumnis, ein kollaboratives Arbeitsumfeld zu schaffen (je 43 Prozent).

Die Reaktion der Mitarbeiter mit geringem Vertrauen fällt entsprechend aus: 42 Prozent denken an einen Jobwechsel, 30 Prozent machen "Dienst nach Vorschrift" und arbeiten nur ihr Minimalpensum ab. 28 Prozent geben zu, weniger engagiert und produktiv zu sein. Für ein Viertel (25 Prozent) der Beschäftigten wird Qualität zur Nebensache und ebenfalls knapp ein Viertel spricht negativ über das Unternehmen gegenüber Kollegen oder Bewerbern. Sicherheit wichtiger als Gehalt

Umgekehrt ergebe sich ein eindeutiges Bild bei den Gründen für Vertrauen in den Arbeitgeber, so EY: Das Einhalten von Versprechungen wird von 67 Prozent der Beschäftigten weltweit als vertrauensbildender Faktor anerkannt, gefolgt von der Arbeitsplatzsicherheit (65 Prozent). Diese Faktoren sind für Arbeitnehmer auch wichtiger als das Gehalt: Die gerechte Bezahlung folgt mit 63 Prozent erst auf dem dritten Platz. Für 59 Prozent sind außerdem Offenheit und Transparenz wichtig. Gleiche Chancen bei Bezahlung und Beförderung schaffen für 57 Prozent der Befragten Vertrauen.

An Erfolg durch Leistung glauben viele nicht. 34 Prozent der Beschäftigten glauben nicht, dass ihnen hartes Arbeiten und das Erreichen der gesteckten Ziele eine Gehaltserhöhung oder Beförderung einbringen. Weltweit zweifelt zudem immer noch fast ein Fünftel (22 Prozent) der Beschäftigten an gelebter Inklusion und glaubt nicht, dass ihr Arbeitgeber das Konzept der Vielfalt schätzt. Ebenfalls nicht gerade förderlich für das Wohlbefinden der Mitarbeiter: 28 Prozent der Arbeitnehmer weltweit erwarten Nachteile für sich, wenn sie keine Überstunden machen. Auch auf dem eigenen Konto erwartet eine Mehrheit keine zusätzliche Leistungsanerkennung: Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Beschäftigten erwartet in diesem Jahr keine Gehaltserhöhung beziehungsweise keinen Bonus.

Jugend will Perspektiven

Parallel zu den rund 10.000 Beschäftigten wurden 3.200 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren befragt, die in Kürze in den Arbeitsmarkt eintreten. Sie nennen mit 66 Prozent zuerst die Chancengleichheit bei Bezahlung und Beförderung sowie die Möglichkeit zu lernen und sich weiterzuentwickeln als entscheidende Faktoren, wenn es um das Vertrauen in den zukünftigen Arbeitgeber geht. Aber auch die angemessene Bezahlung und Abgeltung von Zusatzleistungen stehen mit 64 Prozent hoch im Kurs, gefolgt von Arbeitsplatzsicherheit mit 62 Prozent und Flexibilität mit 52 Prozent. Am ehesten sehen die Jugendlichen diese Rahmenbedingungen offensichtlich bei größeren Unternehmen erfüllt: 48 Prozent wollen in einem Unternehmen arbeiten, das mindestens 2.000 Mitarbeiter hat. (red, 20.7.2016)

  • So richtig motiviert und wohl fühlen sich viele am Arbeitsplatz offenbar nicht.
    foto: apa/techt

    So richtig motiviert und wohl fühlen sich viele am Arbeitsplatz offenbar nicht.

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