Trump nun offiziell Präsidentschaftskandidat der Republikaner

20. Juli 2016, 05:44
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Der Milliardär ließ seine Anhänger wissen, dass er hart arbeiten wolle und seine Wähler nie im Stich lassen werde

Der Parteitag der Republikaner ging am Dienstag in die entscheidende Phase. Die Delegierten aller 50 Staaten und US-Territorien mussten ihre Stimmen aus den Vorwahlen öffentlich abgeben. Die Verkündung artete in einen Wettkampf darüber aus, welcher denn nun der schönste, beliebteste und religiöseste Bundesstaat sei, der an Donald J. Trump die meisten Stimmen vergab. Die Delegierten aus Ohio brachen immer wieder demonstrativ in Jubel aus, sobald ihr Gouverneur John Kasich Stimmen bekam – und als sie ihr eigenes Ergebnis verkünden durften. Sie standen damit aber ziemlich alleine da.

"Gratuliere, Dad"

New Yorks 89 Delegiertenstimmen wurden zunächst ausgelassen, um dann von Donald Trumps Sohn verkündet zu werden. "Auch in Gegenden, die nicht konservativ sind, konnten wir einen Riesenerfolg einfahren", sagte der Junior. "Gratuliere, Dad. Love you." Damit hatte der Immobilienmagnat die nötigen 1.237 Stimmen beisammen, um die Nominierung zu erhalten. Am Ende waren es 1.725 Delegierte für Trump. Immerhin mehr als 700 Stimmen gingen jedoch an andere Kandidaten. Verglichen mit den Parteitagen der vergangenen Jahrzehnte ein Negativrekord.

Einen kurzen unangenehmen Moment gab es für die Parteiführung, als Alabama eine Beschwerde einlegte – mit der Begründung, dass die Stimmen des Bundesstaates falsch verkündet worden seien. Alle 28 Stimmen waren Trump zugesprochen worden, obwohl die Vorwahlen ein anderes Ergebnis gezeigt hätten. Nach kurzer interner Abstimmung begründete Reince Pierbus, Chef des Parteitags, die Korrektheit der Zählweise mit den Parteiregeln.

Die offizielle Nominierung von Mike Pence zum Vizepräsidentschaftskandidaten war dann nur mehr ein kurzer formaler Akt, bei dem die Delegierten im Saal ihre Zustimmung oder Ablehnung mit einem "Yae" oder "Nay" ausdrückten.

Thema: Die Missetaten der Hillary Clinton

Der restliche Abend stand unter dem Motto "Make America work again". Der Großteil der Redner hielt sich aber nicht mit der Arbeitsmarkt- und Jobsituation in den USA auf, sondern lenkte die Aufmerksamkeit lieber auf Hillary Clinton. New Jerseys Gouverneur Chris Christie, der nun doch nicht als Trumps Vize zum Zug kam, gab den Staatsanwalt in der Halle und ließ Clinton demonstrativ vom Publikum für ihre Missetaten "schuldig" sprechen, darunter die Entführung von nigerianischen Mädchen durch Boko Haram, der Iran-Deal und die Anzahl der Toten in Syrien. Christie hatte den Schauprozess fest im Griff.

Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat, vermied es in seiner Rede, näher auf die Vorzüge des Anti-Establishment-Kandidaten Trump einzugehen. Auch er schoss sich auf die "Lügnerin" Hillary Clinton und deren Familie ein, mit der er nach eigener Aussage schon zu viel Lebenszeit verbracht habe. Es gelte, genau eines zu tun: Hillary Clinton zu verhindern.

Ben Carson, der ebenfalls im Rennen um die Nominierung war, wich von seiner ursprünglich geplanten Rede stark ab und landete schließlich bei Luzifer, der von Clinton Besitz ergriffen habe. Zu diesem Schluss sei er gekommen, weil Clinton den Bürgerrechtler Saul Alinsky schätze, der eines seiner Bücher Luzifer gewidmet hätte.

Trumps Kinder loben ihren Vater

Nach dem Plagiatsauftritt seiner Frau Melania, die damit für den bisher größten Aufruhr am Parteitag gesorgt hatte, traten am Dienstag auch Trumps Kinder mehrmals in Erscheinung. Tiffany Trump, die das Rampenlicht bis jetzt gemieden hatte, versuchte mit einer persönlichen Ode an ihren Vater dessen Warmherzigkeit und Loyalität herauszustreichen.

Auch nach Donald Trump Juniors Rede wurden Zweifel an deren Originalität geäußert.

Donald Trump Junior war es am Ende des Abends, der die Halle am ehesten überzeugte. Er sprach darüber, dass sein Vater keinen Wert auf prestigeträchtige Abschlüsse lege. Er unterstütze Menschen mit "Hausverstand". Was seinen Vater für das Präsidentenamt qualifiziere? "Wenn die Leute ihm sagen, dass etwas nicht geht, dann ist das die Garantie dafür, dass es geht." (Teresa Eder aus Cleveland, 20.7.2016)

  • Trump mag Kohle: Schilder am Parteitag der Republikaner in Cleveland.
    foto: afp photo / timothy a. clary

    Trump mag Kohle: Schilder am Parteitag der Republikaner in Cleveland.

  • Donald Trumps Tochter Tiffany bei ihrem Parteitagsauftritt.
    foto: afp photo / robyn beck

    Donald Trumps Tochter Tiffany bei ihrem Parteitagsauftritt.

  • Donald Trumps Junior pries am Dienstagabend ebenfalls die Vorzüge seines Vaters.
    foto: reuters/aaron josefczyk

    Donald Trumps Junior pries am Dienstagabend ebenfalls die Vorzüge seines Vaters.

  • cnn

    Donald Trump Juniors Rede am Parteitag der Republikaner.

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    quelle: apa
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