Was es bedeutet, wenn Ameisen im Tandem laufen

30. Juli 2016, 10:30
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Britische Forscher nahmen die Umzugsmodalittäten von Temnothorax albipennis unter die Lupe

Bristol – Bei einer Reihe verschiedener Ameisenarten – darunter auch der in Europa verbreiteten Spezies Temnothorax albipennis – kann man ein markantes Verhalten beobachten: Zwei oder auch mehr Tiere laufen im "Tandem", also dicht an dicht. Immer wieder berührt dabei das hintere Tier mit seinen Fühlern die Beine und den Bauch des vorderen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Neue Studie

Dass die Ameisen damit ihre Artgenossen zu neuen Futterquellen oder auch Nistplätzen führen, lag für Forscher schon länger auf der Hand. Wie systematisch dieser Prozess abläuft, hat nun aber ein Team um Thomas O'Shea-Wheller von der Universität Bristol untersucht und berichtet darüber im Journal "The Science of Nature".

Die britischen Wissenschafter nahmen die winzige Art Temnothorax albipennis unter die Lupe, die ihre Nester in Felsritzen anlegt und recht umzugsfreudig ist. Wenn sich eine bessere Örtlichkeit auftut, zieht die oft nur einige hundert Tiere umfassende Kolonie um – manchmal ein paar Meter, manchmal bloß einen Zentimeter.

So läuft der Umzug ab

Der Ablauf sieht dabei so aus: Eine Ameise, die einen besseren Nistplatz gefunden hat, schleppt eine Artgenossin im Tandem ans Ziel und oft auch wieder zurück. Diese Richtungsweisung wiederholt sich später mit anderen Tieren, bis in der Kolonie ein Schwellenwert erreicht ist, soll heißen: Bis so viele Ameisen den neuen Ort kennen, dass die "Entscheidung" für den Umzug fällt.

Dann folgt ein anderes Bewegungsmuster: Statt langsamem Tandemlauf wie zuvor ist nun Eiltempo angesagt, wenn die Ameisen ihre Eier, Larven und Puppen ins neue Nest schaffen.

Minimierung der Umzugszeit

O'Shea-Wheller und seine Kollegen sammelten für ihre Studie 30 Kleinkolonien von Temnothorax ein und boten ihnen unter Laborbedingungen Nistplätze an. Nach einer Woche kamen Plätze von höherer Qualität dazu, die Entfernungen zum ursprünglichen Nest variierten. Dem trugen die Ameisen Rechnung, indem sie zu weiter entfernten potenziellen Nestern mehr Tandems schickten und öfter hin und her rannten.

Auf diese Weise verbreitete sich die Nachricht vom verheißungsvollen neuen Nistplatz wieder schnell genug, dass der Umzug mit all den Risiken und Gefahren, die unterwegs lauern könnten, möglichst rasch über die Bühne gebracht werden konnte. (red, 30. 7. 2016)

  • Im Tandemlauf zum neuen Eigenheim.
    foto: thomas o'shea-wheller

    Im Tandemlauf zum neuen Eigenheim.

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