Otto Nemenz: Der Mann mit den besten Kameras

Porträt19. Juli 2016, 17:09
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Der Österreicher verleiht in Hollywood technisches Equipment, auch für "Star Trek Beyond": Porträt eines Selfmademan

Die Dokumentation über die legendäre Autoroute von Alaska nach Feuerland hat er gleich dreimal im Urania-Kino gesehen. "Der Film hat mir so gut gefallen, dass ich sogar meine Freundin mitgeschleppt habe." Panamericana – Traumstraße der Welt von Hans Domnick hatte in Otto Nemenz den Wunsch geweckt, nach Amerika auszuwandern. Er wollte Kameramann werden. "Aber ich habe keine Ahnung gehabt, wie ich das schaffe", erinnert sich der gebürtige Steirer.

Heute führt Otto Nemenz eine der bedeutendsten Kameraverleihfirmen in den USA, Otto International Inc. Von seinem Haus in Pacific Palisades, einem Stadtteil im Westen von Los Angeles, hat er einen grandiosen Blick aufs Meer. Es ist ein intimer Ort, wo man Leuten wie Whoopi Goldberg im Supermarkt über den Weg läuft. Der deutsche Schauspieler Armin Mueller-Stahl wohnt in der Nachbarschaft.

Geboren 1941 in Judenburg als Sohn eines Österreichers und einer Griechin, ist Nemenz in Wien und Istanbul aufgewachsen. "Wie eine wilde Rübe", sagt er. Bereits im Alter von zwölf machte er Geschäfte mit den Amerikanern. "In der Türkei gab es eine Zeit lang eine Importsperre. Nylonhemden und Nylonstrümpfe waren heiße Ware. Jedes Mal wenn die sechste Flotte der Amerikaner daherkam, habe ich Matrosen gehabt, die mir das mitgebracht haben."

Nach der Hauptschule wollte er eigentlich Rennmechaniker werden. Die Mutter war dagegen, und so hat er dann doch auf der HTL Mödling Feinwerktechnik und Optik gelernt. Danach war Nemenz beim ORF, wo man ihm nach einem halben Jahr offen nahegelegt hat, einer Partei beizutreten. Nemenz lehnte ab. "Das war mit ein Grund, warum ich nach Amerika gekommen bin. Ich wollte nicht parteipolitisch tätig sein."

In Hollywood angekommen, arbeitete er als Kameratechniker bei der Firma Panavision, die im Jahr 1966 den Formel-1-Film Grand Prix von Regisseur John Frankenheimer ausstattete. Die Rennszenen sind selbst für heutige Verhältnisse noch spektakulär. Nemenz überzeugte den zweiten Kameramann, John Stephens, dass seine Anwesenheit beim Dreh unentbehrlich war. Es war sein erster Film. In Spa, Belgien, hat die Produktion zwei Autos im Rennen gehabt. Es hat geschüttet. Die Kameras wurden nass.

"Wo ist Otto?!"

"Das war natürlich eine Katastrophe", erinnert sich Nemenz. Frankenheimer war außer sich und bellte über den Lautsprecher: "Wo ist Otto?" Nemenz war irgendwo auf der Rennstrecke. Mit einem Haarfön trocknete er die Kameras und konnte so ein Unheil vereiteln. Von nun an war er der große Mann am Set. "Ich war praktisch der Liebling vom Frankenheimer." Jedes Mal, wenn es ein Problem gab, konnte man einen Hilfeschrei über die Rennstrecke hören. "Wo ist Otto?"

warner bros.

Nachdem Nemenz jahrelang zuerst als Kameratechniker und -assistent, schließlich als Kameramann gearbeitet hatte, begann er 1979 Filme, Serien, Werbungen und Musikvideos mit seinem Equipment auszurüsten. Er hatte zunächst zwei Mitarbeiter, Alex Wengert und seine zweite Ehefrau Monika, eine Vorarlbergerin, ehemalige Hubschrauberpilotin.

"Sie beinhaltet alles", sagt er. Sein Enkel arbeitet inzwischen auch in seiner Firma, deren größter Auftrag bis heute ebenfalls ein Autofilm war, Fast & Furious 7. Ein ganzes Jahr lang waren sie mit dem Projekt beschäftigt.

"Star Trek" und "Terminator"

"Stephen F. Windon, der Kameramann, hat uns sehr gerne." Windon stand auch hinter den Kameras vom diese Woche startenden Star Trek Beyond, für den Nemenz auch Material vermietet hat. Gegenwärtig dreht er Fast & Furious 8. Nach dem Geheimnis seines Erfolgs gefragt, antwortet Nemenz: Qualität – "und dass wir technologisch top sind".

paramount pictures international

Vor acht Jahren hat er gleichsam über Nacht auf digital umgesattelt. Hin und wieder bestehen Regisseure noch auf Film. "Wir haben mit Scorsese vor zwei Jahren in Taiwan gedreht. Er liebt Film." Ein treuer Stammkunde seit Barton Fink (1991) ist auch der legendäre Kameramann Roger Deakins, der oft mit den Coen-Brüdern arbeitet.

Bis heute ein guter Kunde und Freund ist Adam Greenberg, der bei Terminator 2 die Kamera führte. Der Blockbuster hat Nemenz mit seinem Verleih 1991 in den Orbit der Big Player in Hollywood befördert. Für den Film wurde ein spezielles Zoomobjektiv verwendet, eine optomechanische Konstruktion, für die er von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences geehrt wurde. Der Award wurde ihm von Tom Hanks überreicht. "Ich habe auch einen österreichischen Award", erzählt er. Gemeint ist damit das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. "Ich habe mich gewundert. Ich heiße ja nicht Schwarzenegger." Für jemanden, der es von der Urania bis in die Hügel der Palisades geschafft hat, ist er ganz schön bescheiden. (Marietta Steinhart, 19.7.2016)

  • Tom Hanks überreichte Otto Nemenz einen Preis der Academy für das von Nemenz entwickelte Zoomobjektiv.
    foto: monika nemenz

    Tom Hanks überreichte Otto Nemenz einen Preis der Academy für das von Nemenz entwickelte Zoomobjektiv.


  • Nicht nur Geschäftsmann, auch Tüftler: Otto Nemenz mit einer 65-mm-Panavision-Kamera, die für Flugaufnahmen aufbereitet wurde.
    foto: monika nemenz

    Nicht nur Geschäftsmann, auch Tüftler: Otto Nemenz mit einer 65-mm-Panavision-Kamera, die für Flugaufnahmen aufbereitet wurde.

  • Nemenz montiert eine 65-mm-Kamera an einem Formel-1-Auto.
    foto: nemenz

    Nemenz montiert eine 65-mm-Kamera an einem Formel-1-Auto.

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