Datenbanken: Psychologen erforschen, wie Informationen besser aufbereitet werden können

22. Juli 2016, 10:26
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Was beim Umgang mit digitalen Datenbanken im Kopf der Benutzer passiert

Wien/Krems – Die legendäre Bibliothek von Alexandria ist ein Witz dagegen: In den modernen Datenbanken stehen der Menschheit so viele Informationen zur Verfügung wie niemals zuvor. Wenn man den Überblick nicht behält, kann dieses Überangebot schnell für Überforderung sorgen.

Das Zentrum für Kognition, Information und Management der Donau-Universität Krems möchte hier eine bessere Orientierung anbieten: In einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt will man herausfinden, was beim Umgang mit digitalen Datenbanken im Kopf der Benutzer passiert. Ausgehend von diesen Erkenntnissen wollen die Forscher Methoden entwickeln, mit denen Datensätze so visualisiert werden, dass der Betrachter diese Informationen effizienter konsumieren kann.

Hilfe bekommt man dabei auch vom Institut für Softwaretechnologie und Interaktive Systeme der TU Wien. "Das Feld der Informationsvisualisierung ist sehr interdisziplinär", berichtet Projektleiterin Eva Mayr. "Es gibt schon einige Forschungsansätze, aber was fehlt, ist eine allgemeine Theorie darüber, was auf kognitiver Seite bei den Nutzern passiert."

Dabei konzentriert man sich gezielt auf den "Normalverbraucher" anstatt auf das geschulte Auge: "Der Großteil dieser Forschung wird an Experten erprobt." Deshalb unternimmt Mayrs Team die Versuche nicht wie üblich mit Studenten, sondern mit Personen aus der restlichen Bevölkerung. Auch die Datensammlung, die genutzt wird, richtet sich an die Allgemeinheit statt an ein Fachpublikum: die Europeana-Datenbank.

Von der EU ins Leben gerufen, ist diese Sammlung der Versuch, das europäische Kulturerbe zu digitalisieren und der Öffentlichkeit zu zeigen. Sämtliche Museen Europas sind dazu aufgefordert, ihre Bestände einzuspeisen. In Österreich ist derzeit die Nationalbibliothek der eifrigste Beiträger.

Mayr: "Gerade bei Kulturgütern ist es interessant, diese für Normalbenutzer zugänglich zu machen. Uns interessiert, wie die Benutzer beim Umgang mit solchen Datensätzen ein mentales Modell in ihrem Kopf erstellen. Unsere zentrale Frage ist nämlich: Wie sieht das kognitive Abbild der konsumierten Informationen aus, und wie kann eine Visualisierung beim Denken helfen?"

Frei experimentieren

Um das herauszufinden, wird den Probanden recht viel Freiheit gelassen – anstatt konkrete Aufgaben zu lösen, sollen die Testpersonen mit den Prototypen frei experimentieren und laut denkend ihre Eindrücke schildern. Der intuitive Ansatz ist bewusst gewählt, da das den Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht, erklärt Mayr: "Experten haben die Zeit und die Energie, um ein solches Tool kennenzulernen. Der normale Bürger möchte keine Gebrauchsanweisung lesen, sondern will gleich anfangen."

Die Psychologin verweist auf den Begriff des "Informationsflaneurs": Wie frühere Forschungen gezeigt hätten, gehe die Mehrheit mit Datensammlungen völlig anders um als Experten: Während Letztere eine Datenbank akribisch durcharbeiten, gleiche der Durchschnittskonsument einem Museumsbesucher, der ziellos durch die Bestände streift, bis er an einer für ihn interessanten Stelle stehen bleibt. Und für ein derartiges Nutzungsverhalten sind viele Datenbanken noch nicht konzipiert.

Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Konzeptionsphase, aber ein Visualisierungsmodell hat man bereits im Sinn – den "Space-Time-Cube". Das Modell zeigt räumliche und zeitliche Informationen nicht wie üblich gesondert und zweidimensional, sondern kombiniert in Würfelform. Dadurch werden bestimmte Zusammenhänge deutlicher: So kann zum Beispiel über die Verteilung von Exponaten im Verlauf der Epochen und im Blick auf die Regionen verdeutlicht werden, wie sich kunstgeschichtliche Stile in Europa verbreitet haben. Ob auch das Kremser Konzept Schule macht, bleibt abzuwarten. (Johannes Lau, 22.7.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa/epa/julian stratenschulte
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