Brexit: Blick in die Kristallkugel

Kommentar19. Juli 2016, 17:07
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Niemand kann heute vorhersagen, welchen Deal London und Brüssel betreffend das weitere Zusammenleben aushecken

Seit dem Referendum schätzen Ökonomen, wie stark Großbritannien, die EU und schließlich die Welt von einem Brexit in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Der Währungsfonds hat am Dienstag eine Wachstumseinbuße für das Königreich von 0,9 Prozentpunkten im kommenden Jahr vorausgesagt. Die EU-Kommission hält sogar einen Absturz der Briten in die Rezession für möglich. Wer hat nun die bessere Kristallkugel?

Tatsächlich regiert in dem Spiel die Psychologie. Bis zum kommenden Jahr passiert in Sachen EU-Austritt: gar nichts. Es müssten also schon die Verbraucher und Unternehmen von Käufen oder Investitionen Abstand nehmen, weil sie in einem Großbritannien außerhalb der Union erhebliche Verschlechterungen in der Zukunft vermuten. Doch die sind keineswegs ausgemachte Sache. Niemand kann heute vorhersagen, welchen Deal London und Brüssel das weitere Zusammenleben betreffend aushecken. Die Vernunft spricht dafür, eine möglichst enge Partnerschaft anzustreben. Somit stellt sich die Frage: Warum sollte bei einem weitgehenden Fortbestand des Binnenmarkts, mit einigen Beschränkungen für die Arbeitnehmerfreizügigkeit, die Konjunktur einbrechen?

Vorerst profitieren britische Exporteure vom gefallenen Pfund, und die Abkühlung am Immobilienmarkt kann auch nicht schaden. Was bleibt, ist die Unsicherheit bis zu einem Abkommen mit der EU. Die kann wehtun. Oder auch nicht. (Andreas Schnauder, 19.7.2016)

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