Pro & Kontra: Pokémon fangen

21. Juli 2016, 15:11
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Moderne Schnipseljagd oder Verrücktheit?

foto: ap / alan diaz

Pro
von Oona Kroisleitner

Zuerst begaben wir uns auf Schatzsuche, Schnitzel- oder Schnipseljagd. Fast jede Kindergeburtstagsfeier fand darin ihren Höhepunkt; quer durch die Straßen, den Garten oder die Wohnung. Dann wurden wir zu alt dafür, verloren das Interesse. Computerspiele waren spannender, als draußen rumzuwuseln. Das Kinder- wurde zum Jugendzimmer und der Gameboy zum ständigen Begleiter. Auf dessen verpixeltem Minibildschirm konnten wir Mitte der Neunziger statt Hinweisen kleine Monster jagen. Bis auch das out war.

Dass Pikachu und seine Artgenossen jetzt wieder da sind und einen solchen Hype ausgelöst haben, mag manchem infantil erscheinen. Für das Kind der Achtziger ist es völlige Nostalgie. Es verbindet die Dinge, die wir früher geliebt haben, miteinander: Schätze sammeln, Monster fangen, herumlaufen und dann und wann ein bisschen mit den anderen raufen. Dazu kommen die Angewohnheiten, die man als Erwachsener gerne hegt: angeben, groß reden und wichtig auf dem Smartphone herumtun. Der Weg zur Arbeit dauert jetzt zwar länger, wird aber wieder zum Abenteuer.

Kontra
von Fabian Schmid

Das neue "Pokémon Go"-Spiel, das momentan die halbe Welt verrückt macht, verrät so ziemlich alles, wofür Videospiele stehen. Denn das Grundprinzip des Gamings ist es , sich von der Umgebung zu verabschieden und komplett in einer neuen Welt zu versinken. Und jetzt soll man plötzlich durch Städte, Wiesen und Wälder laufen, um den Highscore zu knacken? Nein, das kann nicht sein. Spiele sollen allein und bei abgedunkelten Jalousien absolviert werden. Ungefähr so, wie es Frank Underwood aus "House of Cards" hält, der sich nachts mit Ego-Shootern erholt.

Die Erlebnisse mit der "echten Welt", die "Pokémon Go" initiiert, sind außerdem alles andere als attraktiv: Eine US-Teenagerin fand eine Leiche, ein Youtuber geriet unter Beschuss, und Kriminelle lockten Jugendliche mit der Aussicht auf seltene Pokémons in einen Hinterhalt. Das Prinzip eignete sich dann die Polizei an, die wiederum Kriminellen eine Falle stellte. Bei aller Liebe: Das klingt tatsächlich so, als wären alle verrückt geworden. Ich erhole mich mal davon, hinter abgedunkelten Jalousien. (RONDO, 22.7.2016)

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